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Chronik 1803 - Ein irisches Bier mit großem Namen

Er hat seinem Namen in die Zukunft getragen – der irische Bierbrauer Arthur Guiness (1725-1803), der zu Beginn des Jahres, am 23. Januar 1803 starb. Verheiratet mit Olivia Whitmore zeugte Guiness 21 Kinder, von denen nur zehn das Erwachsenenalter erreichten. Diese aber begründeten die heute noch berühmte Guiness-Dynastie. Arthur Guiness selbst hatte bereits gegen Ende des 18. Jahrhunderts die größte Brauerei für Porter- und Stoutbier gehabt, auf der seine Kinder aufbauen konnten. Auch für den „Schinderhannes“ (1779-1803), einen deutschen Serienverbrecher, war das Jahr 1803 das letzte Lebensjahr. Er war im Vorjahr dem Gericht vorgeführt worden und im November 1803 erging das Todesurteil. Mit ihm wurden weitere 62 Mittäter verurteilt. Europaweit hatten die Menschen an diesem Prozess Anteil genommen. Das Gnadengesuch war von Frankreichs Erstem Konsul Napoleon (1769-1821) abgelehnt worden. In Deutschland weitete sich in jenem Jahr die Säkularisation aus, die in Bayern im Vorjahr begonnen hatte. In vielen Teilen des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation wurden Kirchengüter von den jeweiligen Territorialstaaten beschlagnahmt. Zahlreiche Klöster wurden aufgelöst. Dabei kam es zur Vernichtung von großen Mengen wertvoller Kulturgüter. Vernichtung hatte man auch in Großbritannien im Sinn. Die britische Regierung ignorierte den „Frieden von Amiens“, der den Zweiten Koalitionskrieg mit Frankreich beendet hatte und erklärte Frankreich am 8. Mai 1803 den Krieg. Zunächst rückte Frankreich gegen das Kurfürstentum Hannover vor, das von dem Briten Georg III. (1738-1820) regiert wurde. Georg III. war der dritte britische Monarch aus dem Hause Hannover. Er war aber der erste, der in Großbritannien zur Welt gekommen war und Englisch als Muttersprache benutzte. Napoleon traf im Sommer 1803 Vorbereitungen für eine England-Invsion. Er sammelte seine Truppen in Nordfrankreich, deren Stationierung bis 1805 andauerte. Aus Frankreich war außerdem ein bemerkenswerter Todesfall zu vernehmen. Die französische Naturforscherin Jeanne Baret (1740-1807), die meist unter dem Pseudonym Jean Baré lebte, ging in die Geschichte ein, weil sie, als Mann verkleidet, Mitglied der zwischen 1766 und 1769 stattgefunden Expeditionen von Louis Antoine de Bougainville (1729-1811) in den Südpazifik war. Sie gilt als die vermutlich erste Frau, die die Welt umsegelte, aber ganz sicher als die erste Frau, die eine Weltumseglung in Männerkleidung unternommen hatte. Im Jahr 2012 widerfuhr der mutigen Frau, die ihre Neugier auf die Welt trickreich zu stillen vermochte, eine späte Ehre. Ein neu entdecktes Nachtschattengewächs wurde ihr zu Ehren mit dem Namen „Solanum baretiae“ benannt. Zu ihren Lebzeiten hatte Jeanne Baret mehr als 70 Pflanzen und Insekten nach Philibert Commerçon (1727-1773) benannt, dem Botaniker, als dessen Assistent und Kammerdiener sie sich ausgegeben hatte und auf den Expeditionsschiffen anheuerte.
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Ereignisse & Schlagzeilen 1803
19. Februar
Ende der Helvetischen Republik durch die Mediationsakte sowie Eintritt der Kantone Aargau, Graubünden, St. Gallen, Thurgau, Tessin und Waadt in die Schweizerische Eidgenossenschaft
25. Februar
Der Immerwährende Reichstag zu Regensburg verabschiedet den Reichsdeputationshauptschluss zur Neuordnung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation.
Im Februar
Die von England besetzte Kapkolonie (heute Südafrika), wird auf Grund des im Vorjahr abgeschlossenen Frieden von Amiens an die Batavische Republik (Niederlande) zurückgegeben.
1. März
Ohio wird 17. Bundesstaat der USA
10. März
In der Schweiz tritt der von Napoleon ernannte neue Landammann Louis d’Affry sein Amt an. Die helvetische Republik ist damit beendet.
30. April
Die USA kaufen für 60 Millionen Franc Louisiana von Frankreich (Louisiana Purchase).
18. Mai
Die britische Regierung geht über den Frieden von Amiens hinweg, der den Zweiten Koalitionskrieg mit Frankreich abschloss, und erklärt den Franzosen den Krieg.
Im Juni
Frankreich rückt gegen das Kurfürstentum Hannover, das Territorium von Georg III. (Vereinigtes Königreich), vor.
Im Juni
Der englische Seefahrer Matthew Flinders vollendet als erster die Umsegelung des ganzen australischen Kontinents.
Im Juni
Frankreich trifft Vorbereitungen für eine Invasion in England. In Boulogne-sur-Mer und anderen Orten an der Kanalküste werden Truppen gesammelt. Die Stationierung dauert bis ins Jahr 1805 an.
26. Juni
Schweden verpfändet Wismar für 100 Jahre an das Herzogtum Mecklenburg-Schwerin.
5. Juli
Der Hannoversche Generalleutnant von Wallmoden-Gimborn unterzeichnet, ohne dass ein Schuss gefallen ist, die Kapitulation. Die 16.000 Mann starke hannoversche Armee wird entwaffnet.
3. August
Beginn des 2. Marathenkriegs. Englische Truppen rücken gegen das nordindische Marathenreich vor, dass von Frankreich nur schwache Unterstützung erhält.
14. September
Britische Truppen besetzen die indische Stadt Delhi.
23. September
Eine britische Armee unter General Wellington besiegt die zahlenmäßig deutlich überlegenen Truppen des nordindischen Marathenreiches in der Schlacht von Assaye.
27. September
Die Schweiz schließt eine Militärkapitulation und Defensivallianz mit Frankreich und wird dadurch faktisch bis 1813 französisches Protektorat. Sie muss unter anderem Soldaten für Napoleons Armeen stellen.
19. Oktober
In Paris unterzeichnen Frankreich und Spanien ein Neutralitätsabkommen. Spanien muss rückwirkend monatlich 6 Millionen Francs an Frankreich zahlen und seine Häfen für französische Schiffe öffnen.
1. November
Eine britische Armee unter General Gerard Lake besiegt ebenfalls die Truppen des nordindischen Marathenreiches in der Schlacht von Laswari.
18. November
Eine aus ehemaligen Sklaven bestehende Armee unter ihrem Anführer Jean-Jacques Dessalines besiegt in Haiti die napoleonischen Kolonialarmee unter General Rochambeau. Haiti wird unabhängig.
20. November
In Mainz ergeht der Urteilsspruch des Kriminalspezialgerichts gegen den Serienstraftäter Johannes Bückler, genannt Schinderhannes, und weitere 62 Angeklagte. Der Prozess erregt in ganz Mitteleuropa großes Aufsehen. Frankreichs Erster Konsul Napoleon Bonaparte lehnt eine Begnadigung ab.
24. Dezember
Im US-amerikanischen Baltimore heiratet Jérôme Bonaparte, der jüngste Bruder Napoleons, gegen dessen Willen, die dort lebende Kaufmannstochter Elizabeth Patterson.
Im Februar
Säkularisation in Deutschland
Auf Grundlage des in Regensburg verabschiedeten Reichsdeputationshauptschluss werden in vielen Teilen des ehemaligen Hl. Römischen Reiches Deutscher Nation Kirchengüter von den jeweiligen Territorialstaaten (vor allem Bayern, Württemberg und Preussen) beschlagnahmt. Zahlreiche Klöster werden aufgelöst und große Mengen an Kulturgütern werden dabei vernichtet.
Im März:
Guyana und die Karibikinseln Tobago und St. Lucia werden von England besetzt.
Im März: Tasmanien - Die ersten europäischen Einwanderer, hauptsächlich englische Strafgefangene, werden auf der Insel angesiedelt.
Im Mai
Dänemark verbietet den Sklavenhandel.
Im Juni
Ellwangen wird Sitz eines Oberamtes im Kurfürstentum Württemberg und war zunächst Sitz der Regierung von Neuwürttemberg.
26. April
Bei L’Aigle in der Basse-Normandie regnet es Steine vom Himmel. Die französische Akademie der Wissenschaften muss danach einräumen, dass ihre bisherigen Zweifel an der außerirdischen Herkunft früherer Meteorsteine falsch waren.
17. Juni
Ein mit Dampf betriebener Wagen des englischen Erfinders Richard Trevithick transportiert bei einer Versuchsfahrt in London erstmals acht Passagiere.
7. August
Die russische Fregatte Nadeschda bricht zu einer Reise um die Welt auf.
9. August
Auf der Seine in Paris führt der amerikanische Erfinder Robert Fulton das Dampfschiff Clermont vor. Doch Napoléon Bonaparte glaubt nicht, dass der Dampfantrieb eine Zukunft habe.
Im August
Entdeckung des chemischen Elementes Cer
Im August
Baubeginn der erst 1816 vollendeten Sternwarte Göttingen
5. April
Uraufführung des Klavierkonzerts Nr. 3 c-Moll op. 37 von Ludwig van Beethoven.
4. Oktober
Uraufführung der Ballett-Oper Anacréon, ou L’Amour fugitif (Anakreon oder Die flüchtige Liebe) von Luigi Cherubini an der Grand Opéra Paris
13. Dezember
Uraufführung der Oper Les Sabots et le cerisier von François-Joseph Gossec in Paris


 

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