Was war wann? 1900 >> Sportjahr 1908 sportliche Ereignisse
Sport 00er Jahre
1900
1901
1902
1903
1904
1905
1906
1907
1908
1909
Sport Bücher & DVD
 
1900 1901 1902 1903 1904 1905 1906 1907 1908 1909

Das Sportjahr 1908 – Eine Tragödie bei den Olympischen Spielen

Die IV. Olympischen Spiele in London
Es waren im Jahr 1908 nicht nur die IV. Olympischen Spiele, die deutlich mehr Aufmerksamkeit erreichen konnten als in den Jahren zuvor, es war auch die Geschichte von Dorando Pietri (1885-1942), dem italienischen Marathonläufer. Er wurde 1908 zum tragischen Helden der Olympiade in London. Pietri hatte schon 1906 bei den sogenannten Olympischen Zwischenspielen in Athen teilgenommen, konnte dort jedoch wegen Erschöpfung seinen Marathonlauf nicht beenden. Im Jahr 1908 war er wieder am Start.

Pietri konnte auf den letzten Kilometern die Führung übernehmen, weil der Südafrikaner Charles Hefferon (1878-1932) schwächer geworden war. Hinter ihm als zweiter war Pietri fast während des ganzen Laufs platziert gewesen. Er kam dann mit einem großen Vorsprung im White City Stadium an, das mit 75.000 Zuschauern besetzt war. Pietri hatte nur noch eine Stadionrunde vor sich bis zum Ziel. Er war allerdings dermaßen erschöpft und ausgelaugt, dass er fast in die falsche Richtung gelaufen wäre, wenn ihm nicht die Kampfrichter den Weg gewiesen hätten. Dennoch brach er entkräftet zusammen. Auf den letzten 350 Metern brach er insgesamt fünf Mal zusammen, konnte sich zwar immer wieder hochrappeln. Letztendlich mussten ihm dann einige Ärzte und Kampfrichter über die Ziellinie helfen. Schon zehn Minuten später kam der Zweitplatzierte, der US-Amerikaner John Hayes (1886-1965), im Stadion an. Dass Pietri trotz seiner Zusammenbrüche und der Hilfeleistungen dritter Olympiasieger geworden war, fand das amerikanische Team unfair und beschwerte sich derart massiv, dass Pietri den Olympiasieg tatsächlich aberkannt bekam und John Hayes der offizielle Gewinner des Marathonlaufs wurde. Dennoch wurde Pietri für seine kämpferische Leistung geehrt und zwar von der britischen Königin selbst. Von ihr erhielt Pietri einen goldenen Pokal. Dieses Ereignis ging weltweit durch die Presse. Somit gewannen der Marathonlauf und auch die Olympischen Spiele an Popularität. Nicht zuletzt hatte daran auch der Schriftsteller Arthur Conan Doyle, der Autor der Sherlock-Holmes-Romane großen Anteil, denn er schrieb einen sehr ausführlichen und emotionalen Bericht, der am 25. Juli 1908 in der „Daily Mail“ veröffentlicht wurde. Doyle verfasste auch einen Leserbrief, der einen Spendenaufruf für Dorando Pietri enthielt. Doyles großes Engagement für Pietris Kampfgeist und die Tragik der Ereignisse trugen einmal mehr dazu bei, dass nicht nur der Läufer, sondern auch die Disziplin einen deutlichen Wahrnehmungsschub erhielt. Noch im selben Jahr kam es im November wegen des enormen Publikumsinteresses zu einem Zweikampf im Madison Square Garden, der zwischen Pietri und Hayes ausgetragen wurde. Mit rund 70 Metern Vorsprung gewann Pietri den Lauf. Auch zwei Jahre später gewann Pietri ein zweites Wettrennen gegen Hayes.
Die IV. Olympischen Spiele wurden vom 27. April bis zum 31. Oktober 1908 ausgetragen und je nach Jahreszeit wurden die entsprechenden Disziplinen veranstaltet. In der Zeit vom 19. bis zum 31. Oktober beispielsweise wurden bei den „Winterspielen“ innerhalb der Olympiade die Wettbewerbe im Eiskunstlauf ausgetragen, aber auch Fußball und Boxen. Eiskunstlauf war zum ersten Mal eine olympische Disziplin. Goldmedaillengewinner bei den Herren war der Schwede Ulrich Salchow (1877-1949). Ebenfalls im Jahr 1908 errang Salchow den Weltmeistertitel.

Ein spektakuläres Autorennen
Es wurde das längste Autorennen der Welt, das im Jahr 1908 um die Welt führte. Start war in New York am Times Square gewesen. Zu den Abenteurern, die sich auf die 20.000 Kilometer lange Strecke begeben hatten, gehörte auch der 32-jährige Oberstleutnant Hans Koeppen, der letztendlich das Rennen als Erster beenden konnte, aber dennoch nicht als Sieger gekürt wurde.
Fast 19 Wochen war er unterwegs gewesen. Die Strecke führte durch Amerika, durch Asien und Russland und dann durch Europa bis nach Paris. Das Jahr 1908 war noch kein Jahr, in dem Automobile mit einem Benzinmotor selbstverständlich waren. Im Gegenteil. Die Strapazen auf der riesigen Strecke glichen mehr einer Expedition in unbekanntes Terrain als einem Autorennen. Als die Fahrer durch Amerika fuhren, war dort noch tiefer Winter. Pferde wären da auf jeden Fall das bessere Fortbewegungsmittel gewesen. Die Fahrer mussten ihre Benzintanks selbst mitführen, bekamen höchstens vier Stunden Schlaf und durchlebten die Grenzen der Belastbarkeit. An manchen Tagen legten sie höchstens 30 km zurück.
Dass Hans Koeppen zwar als Erster das Ziel erreichte, dennoch das Rennen nicht gewann, hatte mit den Regeln zu tun, die ihn wegen eines Zugtransports in den USA mit einer Zeitstrafe von 15 Tagen abstraften. Diese 15 Tage waren genau der Rückstand gewesen, die der US-Amerikaner George Schuster hatte, der als Sieger des längsten Autorennens der Welt hervorging. Ruhm und Anerkennung wurden Hans Koeppen dennoch zuteil durch sein Buch „Im Auto um die Welt“, das er 1909 veröffentlichte. Und sein Auto ist heute im Deutschen Museum in München zu besichtigen.


Was sonst noch geschah
Zum ersten Mal wurde 1908 die Belgien-Rundfahrt veranstaltet, die es noch heute unter dem Namen „Baloise Belgium Tour“ gibt. Mit Unterbrechungen wurde sie bis heute jährlich ausgetragen. Im Jahr 1908 hieß der Sieger Lucien Mazan, der sich auf dem Höhepunkt seiner Karriere befand. Der französische Rad-Rennfahrer ging als Petit-Breton in die Geschichte ein.
Außerdem ist das Jahr 1908 das Gründungsdatum des Fußballvereins Inter Mailand. Dieser Verein wurde am 9. März 1908 gegründet.
Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft bestritt am 5. April 1908 ihr erstes offizielles Länderspiel in der Geschichte des deutschen Fußballs. Damals wurde dieses Spiel noch „freundschaftlicher Länderkampf“ benannt. Die Deutschen spielten gegen die Mannschaft der Schweiz im Landhof-Stadion in Basel. Für die Schweizer Fußballer war es das dritte Länderspiel gewesen. Nachdem sie die beiden ersten gegen Frankreich verloren hatten, konnten sie 1908 gegen die National-Auswahl des Deutschen Reiches einen 5:3-Sieg für sich verbuchen.
<< Sportjahr 1907

Sportjahr 1909 >>