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Das Literaturjahr 2018 -

Es gibt Bücher, die prägen sich ganz langsam ein und wirken eine Weile nach, selbst wenn sie gemächlich geschrieben sind und sich Zeit zum Erzählen nehmen. Das trifft auch auf die hervorragenden Romane von Kazuo Ishiguro zu, der 2017 den Literaturnobelpreis erhielt.
Der in
Japan geborene Schriftsteller verbrachte die meiste Zeit seines Lebens in Großbritannien, wo er bis heute lebt und arbeitet. Das spiegelt sich auch in seinen Werken wider, nicht nur in den bekannteren wie „Was vom Tage übrigblieb“, sondern auch in „Alles, was wir geben mussten“, ein Roman, der sich tiefgründig mit den Gefühlen geklonter Menschen beschäftigt, die als Spender geschaffen und dennoch menschlich erzogen werden. Ishiguro stellt die Frage, inwieweit sich der Klon dann wirklich vom Menschen unterscheidet und ob es richtig ist, ihm Gefühle zu vermitteln, die ihm offenbaren, dass er nur ein Produkt zu sein und gleichzeitig eine Seele hat.
Das Buch wurde verfilmt, wobei hier auch „Die Insel“ von Michael Bay an die Geschichte erinnert. Als Vorlage diente Ishiguros Roman jedoch nur bei der gleichnamigen Verfilmung von Mark Romanek, die etwas unspektakulärer ausfiel.
Andere Bücher des Nobelpreisträgers sind „Der Maler der fließenden Welt“, ein Roman, der sich u. a. auch mit der Massenproduktion von Kunst auseinandersetzt, wie sie in Japan zum Alltag gehört, oder „Als wir Waisen waren“. Mit seinem Gewinn setzte sich Ishiguro gegen literarische Größen wie Haruki Murakami, Amoz Oz, Margaret Atwood, Ngugi wa Thiong’o und Ko Un durch, die der Schwedischen Akademie wohl etwas zu politisch waren.
Ein bisschen erinnert der Stil von Ishiguro an den von John Williams, in dessen Romanen eine ähnliche Grundstimmung vorherrscht. Während vor wenigen Jahren sein bereits 1965 geschriebener Roman „Stoner“ zum Bestseller geriet, kam 2017 eine weitere Erzählung als Neuauflage heraus. Es handelte sich um „Nichts als die Nacht“, ein Kurzroman, der gleichzeitig das literarische Debüt des bereits verstorbenen Schriftstellers darstellte. Er befasst sich mit der Studie über die Verstörung eines Mannes, der in seiner Kindheit ein traumatisches Erlebnis verkraften musste. Die deutsche Übersetzung stammte von Bernhard Robben.
Noch sehr lebendig war dagegen Paul Auster, der Schriftsteller, der einen Schrank voll mit gleichen Schreibmaschinenbänder füllte, in Befürchtung, kein Ersatzmaterial für seine Schreibmaschine zu haben, die ihm alles bedeutete, da er die moderne Variante der Computernutzung ablehnte. Austers 2017 erschienener Roman „4321“ hatte erneut das Zeug zum Bestseller. Der Roman gehörte zu den größeren des Schriftstellers und umfasste mehr als 1.000 Seiten. In der Verlagswelt wurde das Werk als „Opus Magnum“ angekündigt.
Ähnlich wurde auch das neue Buch von T. C. Boyle verlagstechnisch vermarktet. Der Roman „Terranauten“ berichtet von einem Forscherteam, das versucht, in einem künstlich erzeugten Ökosystem neues Leben nachzubilden. Soap und Wissenschaft wurden hier lapidar und kunstvoll verwebt.
Mit philosophischen Themen beschäftigte sich in fast all seinen Romanen und Essays Jostein Gaarder. Bekannt wurde er mit „Sofies Welt“, ein Schelmenroman, der gleichzeitig tiefgründig blieb und den Versuch startete, komplizierte Fragen so zu vereinfachen, dass sie den Sinn des Lebens aufzeigen und den auch junge Leute hochlobten. 2017 erschien von Gaarder das Buch „Ein treuer Freund“.
1936 in Gijirokastra geboren war der albanische Schriftsteller Ismail Kadare bereits seit einigen Jahren durch seine Bücher im Gespräch. Seine Romane beschäftigen sich untergründig mit Liebe, Verlust, Sein und Leben, hinterfragen aber auch immer die Ursache eines totalitären Regimes und die Schwierigkeiten, darin zu existieren. Kadare war damit einer der bedeutendsten Schriftsteller Europas, der sich mit dem Totalitarismus auseinandersetzte. Dazu gehörte er zu den meistübersetzten albanischen Autoren und feierte viele internationale Erfolge.
2017 erschien sein Werk „Die Verbannte“ in den deutschen Buchläden, das bereits 2009 geschrieben wurde. Es behandelte das Leben in der Emigration und Verbannung, zumeist von politisch Verfolgten. Die deutsche Übersetzung übernahm Joachim Röhm für die Ausgabe im S. Fischer Verlag.
Romane können natürlich literarisch tiefsinnig sein, aber auch unterhaltsam. Das gilt besonders für die spannenden Werke von John le Carré, einem englischen Autor, der durch seine Spionageromane in den
sechziger Jahren bekannt wurde, über den kalten Krieg und Verfehlungen in Politik und Wirtschaft schrieb. 2017 erschien „Das Vermächtnis der Spione“, das an die Handlung des hochgelobten Werks „Der Spion, der aus der Kälte kam“ von 1963 anknüpfte.
Im Bereich der Sachliteratur war in Deutschland auch 2017 das Thema der Flüchtlingspolitik aktuell. Erschienen sind Bücher wie „Merkel – Eine kritische Bilanz“, herausgegeben von Philip Plickert, „“Finis Germania“ von Rolf Peer Sieferle oder „Die Getriebenen“ von Robin Alexander über Merkels Flüchtlingspolitik.
Daneben schrieb Richard Ford seine Memoiren, in denen er sich an seine Eltern erinnert, und der französische Skandalautor Michel Houellebecq, der 2015 mit seinem hochgelobten Werk „Unterwerfung“ glänzte, brachte das Sachbuch „In Schopenhauers Gegenwart“ heraus.
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