Die Generalsekretäre der Vereinten Nationen (UNO)

Die Weltorganisation, deren wichtigste Aufgaben die Sicherung des Weltfriedens, die Einhaltung des Völkerrechts, der Schutz der Menschenrechte und die Förderung der internationalen Zusammenarbeit ist, hat ebenso zahlreiche Aufgaben bei wirtschaftlicher, sozialer und humanitärer Unterstützung übernommen.
Zum Zeitpunkt ihrer Gründung am 26. Juni 1945 wurde die UNO von einem kommissarischen Generalsekretär geführt, dem britischen Politiker Baron Gladwyn Jebb. Im Gründungsjahr trat UN-Charta in Kraft (24. Oktober 1945). Dieser Tag gilt gleichermaßen als Tag der Vereinten Nationen und hat feiertagsähnlichen Charakter.
Der UN-Sicherheitsrat nominiert alle fünf Jahre einen Generalsekretär, den die Generalversammlung dann wählt, wobei auch eine Wiederwahl legitim ist.
 

Baron Gladwyn Jebb (Großbritannien)

*25. April 1900 in Firbeck Hall, England
†24. Oktober 1996 in Suffolk, England

UN-Generalsekretär 1945 – 1946 (kommissarisch)

Der britische Politiker Baron Gladwyn Jebb stand als erster UN-Generalsekretär den Vereinten Nationen vor. Er hatte das Amt kommissarisch inne und führte es durch die Gründungsphase und das Inkrafttreten der UN-Charta im Oktober 1945 bis zum 1. Februar 1946.


Trygve H. Lie (Norwegen)

*16. Juli 1896 in Oslo
†30. Dezember 1968 in Geilo

UN-Generalsekretär 1946 – 1952

Der norwegische Politiker Trygve H. Lie war zum 1. offiziellen UN-Generalsekretär gewählt worden. Lie war gegen den Willen der Sowjetunion 1951 ein zweites Mal gewählt worden. Da er sich stets zwischen den beiden Großmächten Sowjetunion und USA befand, wurde ihm von fortwährend von jeweils einer Seite Unfähigkeit vorgeworfen. Knapp ein Jahr nach seiner Wiederwahl war Lie frustriert von dem Posten zurückgetreten.


Dag Hammarskjöld (Schweden)

*29. Juli 1905 in Jönköping
†18. September 1962 bei Ndola (Sambia)

UN-Generalsekretär 1953 – 1961

Der parteilose schwedische Staatssekretär Dag Hammarskjöld war der 2. UN-Generalsekretär, der zudem 1957 vom UN-Sicherheitsrat für eine zweite Amtszeit gewählt wurde. Er starb 56-jährig bei einem Flugzeugabsturz, dessen Ursache nie geklärt wurde. Hammarskjöld hatte u. a. die Freilassung von US-Gefangenen des Korea-Krieges erreicht, im Jahr 1956 den Konflikt um den Suez-Kanal durch die Entsendung von 6.000 UN-Soldaten entschärft. Er erhielt posthum 1961 den Friedensnobelpreis.


Sithu U Thant (Birma/Myanmar)

*22. Januar 1909 in Pantanaw
†25. November 1974 in New York (USA)

UN-Generalsekretär 1961 – 1971

Der birmanische Politiker Sithu U Thant war zwei Amtszeiten lang der 3. UN-Generalsekretär. Er war der erste Nicht-Europäer, der an der Spitze der Vereinten Nationen agierte. Aufgrund des noch mangelnden Einflusses der UNO auf die globalen Konflikte waren seinen Bemühungen der Krisenbewältigung (u. a. Kuba-Krise, 1962, Vietnam-Krieg, Bürgerkrieg in Zypern, Sechstage-Krieg im Nahost-Konflikt, 1967) kein allzu großer Erfolg beschieden.


Kurt Waldheim (Österreich)

*21. Dezember 1918 in St. Andrä-Wördern
†14. Juni 2007 in Wien

UN-Generalsekretär 1971 – 1981

Der österreichische Diplomat und parteilose Politiker Kurt Waldheim war der 4. UN-Generalsekretär. Waldheim wurde für mutmaßliches Fehlverhalten im Jom-Kippur-Krieg (1973) kritisiert. Als er Jassir Arafat zur UN-Vollversammlung am 13. November 1974 einlud, hatte er damit die Vereinigten Staaten und Israel sehr verärgert. Die Wahl für eine dritte Amtszeit war am Veto Chinas gescheitert. 1980 war wurde erstmals eine internationale Debatte (Waldheim-Affäre) um Waldheims NS-Vergangenheit geführt.


Pérez de Cuéllar (Peru)

*19. Januar 1920 in Lima

UN-Generalsekretär 1982 – 1991

Der peruanische Diplomat und Politiker Pérez de Cuéllar wurde als Nachfolger von Kurt Waldheim der 5. UN-Generalsekretär. Im Oktober 1986 wählte ihn der UN-Sicherheitsrat für eine zweite Amtszeit. Seine Amtszeit war u. a. von seiner Vermittlung zwischen Großbritannien und Argentinien im Falkland-Krieg (1982) und seinen Friedensbemühungen in Mittelamerika gekennzeichnet. Die UN-Friedenstruppe wurde während seiner Amtszeit mit dem Friedensnobelpreis (1988) ausgezeichnet.


Boutros Boutros Ghali (Ägypten)

*14. November 1922 in Kairo
†16. Februar 2016 in Kairo

UN-Generalsekretär 1992 bis 1996

Der ägyptische Diplomat und Politiker Boutros Boutros Ghali war der 6. UN-Generalsekretär und der erste Afrikaner in diesem Amt. Er hatte die „Agenda für den Frieden“ begründet und u. a. den Bürgerkrieg und die Hungersnot in Somalia bekämpft. Bei den Bürgerkriegen in Ruanda und Jugoslawien war ihm von Kritikern Versagen vorgeworfen worden. Eine zweite Amtszeit war am Veto der Vereinigten Staaten gescheitert.


Kofi Annan (Ghana)

*8. April 1938 in Comassie (heute: Kumasi, Goldküste)

UN-Generalsekretär 1997 – 2006

Der ghanaische Diplomat Kofi Annan wurde auf Druck der USA und gegen den Widerstand vieler Länder zum 7. UN-Generalsekretär gewählt. Er war zugleich der erste Schwarzafrikaner in diesem Amt. Den US-amerikanischen Einmarsch in den Irak (2003) lehnte er kategorisch ab. Annan erhielt während seiner Amtszeit 2001 den Friedensnobelpreis.


Ban Ki-moon (Südkorea)

*13. Juni 1944 in Eumseong

UN-Generalsekretär 2007 – 2016

Der südkoreanische Diplomat und Politiker Ban Ki-moon (bis 2006 Außenminister von Südkorea) trat das Amt des 8. UN-Generalsekretärs 2007 an und erklärte einen Tag nach AMtsantritt zur Hinrichtung Saddam Husseins, dass es jedem Land selbst überlassen bliebe, Entscheidungen über Exekutionen zu treffen. Dafür war Ki-moon scharf kritisiert worden. Zudem wurde seine Kompetenz von Kritikern in Frage gestellt. Während seine Haltung zum Thema Menschenrechte umstritten war, hatte sich Ki-moon jedoch für die Abschaffung aller Atomwaffen eingesetzt.


António Guterres (Portugal)

*30. April 1949 in Santos-o-Velho, Lissabon

UN-Generalsekretär seit Januar 2017

Der portugiesische Politiker wurde der 9. UN-Generalsekretär. Er war vordem u. a. Premierminster Portugals (1995-2002) gewesen und von 2005-2015 Hoher Flüchtlingskommissar.