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Die Geschichte Saarland

Das kleinste deutsche Bundesland hat eine kurze, aber insbesondere in völker- und staatsrechtlicher Hinsicht eine von Sonderheiten geprägte Geschichte als politische Einheit, die das Gebiet an der Saar historisch in eine Reihe mit Sondergebieten wie der Freien Stadt Danzig (1920-1939) oder Nachkriegs-Berlin (1945-1990) stellt. Das Gebiet des heutigen Bundeslandes war in der Zeit vor der Gründung des Deutschen Reiches auf zahlreiche Herrschaften zersplittert. Nach Ende des Ersten Weltkriegs war das wichtige Kohle- und Stahlindustrierevier, das inoffiziell häufig als „Saargebiet“ benannt wurde, auf die preußische Rheinprovinz und den bayerischen Rheinkreis aufgeteilt.
Als Folge der deutschen Niederlage im Ersten Weltkrieg 1918 wurde das Saargebiet als „Territoire du Bassin de la Sarre“ im Friedensvertrag von Versailles 1920 Frankreich als Völkerbundsmandat zugesprochen. Das insbesondere an der saarländischen Montanindustrie interessierte Frankreich sollte 15 Jahre lang die Oberherrschaft über das Saargebiet ausüben. Das in das französische Zoll- und Wirtschaftsgebiet eingebundene Saargebiet wurde von Paris wie eine Quasi-Kolonie behandelt. Bis 1933 waren alle Parteien im Saargebiet sich einig im Wunsch, „Heim ins Reich“ zu kommen. Das änderte sich mit der Machtübernahme Hitlers 1933. Sozialdemokraten, Kommunisten und Zentrumspolitiker versuchten vergeblich eine Vereinigung mit dem zum Unrechtsstaat gewordenen Reich zu verhindern. Bei der gemäß Versailler Vertrag 1935 angesetzten Volksabstimmung über den zukünftigen Status des Saargebiets votierten 90 % der Wähler für den Anschluss an das Deutsche Reich.
Das Gebiet wurde verwaltungsmäßig nicht wieder auf Bayern und Preußen rückgegliedert, sondern als „Saarland“ als „führerunmittelbares Territorium“ einem Reichskommissar unterstellt. Die ab 1940 geplante Verschmelzung mit Lothringen und der bayerischen Rheinpfalz zur Westmark wurde nicht verwirklicht.
1945 besetzten französische Truppen das Saarland. Es wurde 1947 als Protektorat ein Satellitenstaat mit begrenzter Souveränität und zunächst beschränkten Grundrechten. Das Saarland mit Ministerpräsident Johannes Hoffmann an der Spitze hatte eine eigene Verfassung und eine eigene Staatsflagge. Seine Bürger besaßen eine eigene Staatsangehörigkeit. Für das Saarland traten eine eigene Fußballnationalmannschaft und eine eigene Abordnung bei den Olympischen Spielen in Helsinki an. In der Bevölkerung des fest in das französische Wirtschafts- und Währungssystem eingebundenen Protektorats überwog der Wunsch nach der Vereinigung mit der Bundesrepublik Deutschland.
Aus außenpolitischen Rücksichten trat Bundeskanzler Adenauer ab 1954 im Einvernehmen mit Frankreich für das Statut einer modellhaften Europäisierung des Saarlandes unter der Kontrolle der WEU (Westeuropäischen Union) ein. Dieses Statut wurde 1955 in einer Volksabstimmung sehr deutlich abgelehnt. In Folge stimmte Paris 1956 der „kleinen Wiedervereinigung“ zu und das Saarland wurde am 1. Januar 1957 ein neues Bundesland, das seitdem das Schicksal der Bundesrepublik Deutschland teilt.