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Biografie Benjamin Harrison

Der 23. Präsident der USA, Benjamin Harrison, wurde am 20. August 1833 im Ohio-Städtchen North Bend geboren. Sein Vater, der angesehene, aber nur wenig wohlhabende Farmer und Lokalpolitiker John Scott Harrison (1804–1878), entstammte einer der „Ersten Familien Virginias“. John Scott Harrisons Großvater Benjamin Harrison V gehörte zu den Unterzeichnern der Unabhängigkeitserklärung und sein Vater William Henry Harrison amtierte im Jahr 1841 als US-Präsident mit der kürzesten Amtszeit (30 Tage). John Scott Harrison war damit der einzige Amerikaner, der sowohl als Sohn als auch als Vater
eines US-Präsidenten in die Geschichte eingegangen ist. John Scott Harrison war mit Elizabeth Ramsey Irwin (1810–1850) verheiratet. Das Ehepaar hatte insgesamt zehn Kinder, denen es trotz des bescheidenen Familieneinkommens eine gute Ausbildung zu finanzieren versuchte.
Von 1847 bis 1850 besuchte Benjamin Harrison ein College in der Nähe von Cincinnati, Ohio, und wechselte dann an die Miami University in Oxford, Ohio. Er schloss sein Rechtsstudium 1852 mit Auszeichnung ab und wurde 1854, nachdem er sich in Cincinnati weitere juristische Kenntnisse angeeignet hatte, in Indianapolis, Indiana, als Anwalt zugelassen. 1853 hatte der 20-jährige Harrison die Professorentochter Caroline Lavinia Scott (1832 -1892) geheiratet. 1854 wurde Sohn Russell geboren und 1858 kam Tochter Mary auf die Welt. Eine zweite Tochter starb 1861 wenige Tage nach ihrer Geburt.
Der bald zu den renommiertesten Juristen des Bundesstaates Indiana gezählte, rhetorisch außergewöhnlich begabte Harrison, war zeitweilig als gewählter Berichterstatter am Obersten Gerichtshof von Indiana tätig. Im Amerikanischen Bürgerkrieg war Harrison maßgeblich an der Aufstellung des Freiwilligenregiments 70th Regiment Indiana Infantry beteiligt. Das Regiment wurde im August 1862 unter dem Kommando des zum Colonel ernannten, militärischen Laien Benjamin Harrison in die Unions-Armee aufgenommen und zunächst zu Aufklärungs- und Sicherungsaufgaben in Kentucky und Tennessee
herangezogen. 1864 kam es als Teil von General Shermans Atlanta-Feldzug an die Front. Harrison wurde zum Brigade-General befördert und bewährte sich in mehreren Schlachten. Bei der Siegesparade am 23./24. Mai 1865 („Grand Review“) in Washington führte er seine Brigade an.
Zurückgekehrt nach Indianapolis nahm Harrison seine Juristen-Tätigkeit wieder auf und engagierte sich aktiv für die Politik der Republikaner. 1876 kandidierte er erfolglos für das Amt des Gouverneurs. Von 1881 bis 1887 vertrat er Indiana im US-Senat. 1888 nominierte ihn seine Partei als Präsidentschaftskandidaten. Harrison schlug den amtierenden Präsidenten Grover Cleveland, der zwar landesweit insgesamt mehr Wählerstimmen („Popular Vote“) als Harrison erhalten hatte, aber bei der entscheidenden Wahl der Wahlmänner („Electoral Vote“) mit 168 zu 233 unterlegen geblieben war.
Der am 4. März 1889 in sein Amt eingeführte 23. US-Präsident Harrison setzte die Aufwertung der bisherigen Territorien North Dakota, South Dakota, Washington, Montana, Wyoming und Idaho zu Bundesstaaten durch. 1889 gab er einen Teil des bis dahin als „Indian Territory“ zumindest formal Indianern als Heimat vorbehaltenen Oklahoma-Gebiets zur Besiedelung durch weiße Siedler frei. Der gleichzeitige, staatlich organisierte Ansturm von landhungrigen Siedlern am 22. April 1889 ging als „Oklahoma Land Run“ in die Geschichte der USA ein.
Herausragende Gesetze der Amtszeit Harrisons waren das Rentengesetz für Bürgerkriegs-Veteranen, das überaus unpopuläre McKinley-Zolltarif-Gesetz, ein unpräzise formuliertes und daher nur wenig wirksames Antitrust-Gesetz sowie eine als „Sherman Silver Purchase Act“ bekannte Bestimmung, die die Silberdeckung der US-Währung festschrieb. Der Gewerkschaftsbewegung galt Harrison als reaktionärer
Freund des Kapitals. Bei zwei spektakulären und gewalttätigen Arbeitskämpfen ließ Harrison Bundestruppen gegen Arbeiter vorgehen.
Außenpolitisch versuchte Harrison zum Vorteil der US-Wirtschaft mit wenig Erfolg eine panamerikanische Zollunion auf den Weg zu bringen. In der Südsee wurde 1889 („Samoa-Akte“) das formal unabhängige Inselkönigreich Samoa unter ein gemeinsames Protektorat („Three Powers“) der USA, des Deutschen Reiches und Großbritannien gestellt. Eine von Harrison verfolgte Annexion Hawaiis fand keine Mehrheit im Kongress.
Am Ende seiner Präsidentschaft stellte sich Harrison erneut zur Wahl, unterlag aber seinem Vorgänger Cleveland, der damit sowohl 22. als auch 24. US-Präsident („Sandwich President“) geworden war.
Der 1892 verwitwete Harrison kehrte nach Indianapolis zurück, arbeitete wieder als Anwalt und schrieb zahlreiche Bücher und Aufsätze zu juristischen und politischen Themen. Von 1900 bis 1901 war der international anerkannte Jurist als Vertreter der venezolanischen Regierung Mitglied einer venezolanisch-britischen Experten-Kommission, die über strittige Grenzziehungen beriet. Er beschloss seine Arbeit mit einem 25-stündigen Vortrag.
1896 heiratete Harrison ein zweites Mal. Seine zweite Ehefrau, Mary Scott Lord Dimmick (1858–1948), eine Nichte seiner ersten Frau, bekam 1897 eine Tochter: Elizabeth.
Am 13. März 1901 starb Benjamin Harrison in seinem Haus in Indianapolis an den Folgen einer Lungenentzündung.
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