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Die Bild Zeitung Geschichte

Die BILD-Zeitung war, ist und bleibt ein umstrittenes Medium, gleichzeitig aber auch die am häufigsten verkaufte Tageszeitung Deutschlands, ein Medium, das sich hauptsächlich mittels Schlagzeilen und schnell zu überfliegenden Berichten, gut gesetzten und großformatigen Bildern, stark gekürzten Inhalten und den einen oder anderen kritischen Artikel auszeichnet. Fragt man den Zeitungsleser, warum er die BILD kauft,  dann hört man häufig, dass die Zeitung unterhaltsam wäre, übersichtlich, tagesaktuell und günstig ist. Das ist nicht verwunderlich, zumal die BILD-Zeitung auf über 60 Jahre Geschichte zurückblicken kann, mit Höhen und Tiefen, Einbußen und Gewinnen.
Ins Leben gerufen wurde sie 1952 von Axel Springer, dem Gründer des Springer-Verlagshauses in Hamburg. Die Ersterscheinung der sich lange als größte Tageszeitung Europas behauptenden BILD belief sich auf vierhundertfünfundfünfzigtausend Exemplaren und setzte schon von Beginn an auf Wort und Bild. Vier Seiten mit großformatigen Fotos wurden kostenlos herausgegeben, um auf die Zeitung aufmerksam zu machen. Das Format war neu und weckte das Interesse.
Was Springer vorschwebte, war eine Veränderung in der deutschen Mediengeschichte, eine neue Form der Zeitungsausgabe, die als Druck dem Fernsehen gleichkam, was ihm in jeglicher Hinsicht gelang. Die Idee kam Springer in seinem Wohnzimmer, als er dort auf dem Boden saß, umringt von Schlagzeilen, Fotos und verschiedenen Presseausschnitten, bewaffnet mit einer Schere und etwas Klebstoff, um das Ganze in die Tat umzusetzen.
Er wollte eine Zeitung herausbringen, in der keine Seite überblättert wurde, in der die Themen wirklich alle spannend waren und alle Leser gleich interessierten. Das beinhaltete, neben dem reinen Journalismus, auch die Unterhaltung, die auf keinen Fall fehlen durfte.
Gerade Farbfotos waren damals keine Normalität in einer Zeitung, ebenso das ausdrucksstarke und rote Logo der BILD oder die übergroßen Schlagzeilen. Um die Zeitung massentauglich zu machen, legte Springer einen Marktpreis von nur zehn Pfennig fest, sodass sich wirklich jeder Mensch die Zeitung leisten konnte. Schon bald wurde BILD die "Zeitung des kleinen Mannes".
In den Sechzigern herrschte in Deutschland das Chaos. Die 68-Generation weigerte sich, die Umstände hinzunehmen, die in Deutschland vorherrschten. Die Studenten und Linken kämpften mit der Nachkriegsgeschichte und kritisierten die politischen und gesellschaftlichen Bedingungen. Bernhard Vesper schrieb u. a. in seinem tagebuchartigen Buch „Die Reise“, dass die Empörung mitunter auch geschürt war, weil „alte Nazi-Verbrecher“ immer noch in den oberen politischen Ämtern saßen.
Als die Studenten bald auf die Straße gingen, nahm BILD eine fragwürdige Haltung ein, die eindeutig gegen die Demonstranten gerichtet war. Übergewichtige Parolen schürten den Volkszorn, die 68-Generation machte die Zeitung bald für das Chaos verantwortlich, sodass sie den Springer-Verlag und die BILD zu boykottieren versuchten. Der Verlag wurde als „Zentrum der systematischen Hetzkampagne gegen politische Minderheiten“ bezeichnet, die Demonstranten versammelten sich vor dem Verlag und wiesen ihm die ‚Schuld für das Attentat auf Rudi Dutschke zu. Vor dem Verlagshaus brach der Sturm dann los, Molotowcocktails flogen, Brandanschläge wurden verübt. „Enteignet Springer!“ lautete die Antwort der Demonstranten. Auch Schriftsteller reagierten und setzten ihre Stimme gegen die BILD-Zeitung ein, so z. B. Heinrich Böll mit seinem Roman „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ oder Günter Wallraff mit „Aufmacher“. Für seine Kritik am Springer-Verlag recherchierte Wallraff verdeckt, arbeitete unter dem Namen Hans Esser dreieinhalb Monate bei der BILD und enthüllte danach alle journalistischen Versäumnisse der Tageszeitung. Daraus folgte ein riesiger Presseskandal.
In den Siebzigern verübte die RAF einen Bombenanschlag auf das Springer-Verlagshaus. Es gab achtunddreißig Verletzte und die Sicherheitsvorkehrungen innerhalb der Redaktion mussten erheblich verstärkt werden.
Zwar verlor die BILD durch die Ereignisse zunächst mehr als eine Million Leser, blieb eine Weile im Zentrum der Kritik, doch durch den Wechsel verschiedener Redakteure mit guten Ideen bewahrte die BILD weiter ihre Präsenz. Ebenso dienten verschiedene Kampagnen der Auflage, darunter die Spendenaktion „Ein Herz für Kinder“. Auch die immer wieder aussagekräftigen Überschriften trugen ihren Teil dazu bei. 1969 glänzte die BILD z. B. mit sechs Worten in der Schlagzeile, um die Mondlandung zu kommentieren. „Der Mond ist jetzt ein Ami“.
Die Schlagzeilen waren immer das Markenzeichen der BILD. Einfallsreich, gekonnt, Aufsehen erregend, präzise auf den Punkt gebracht, als Metapher oder Verballhornung. Dafür war der Artikel darunter dann äußerst kurz und ungenau. Wer das Auge eines Zeitungslesers erreichen möchte, pfeffert eine Schlagzeile auf die Titelseite, die die Gemüter bewegt.
Mit der Technik konnte sich die BILD über die Jahre einflussreich durchsetzen. Fast ein Genie-Streich blieb der Slogan: „BILD Dir Deine Meinung!“, der im Grunde nichts anderes besagte als: Wir berichten, ihr könnt herausfinden, was Ihr glauben wollt oder was nicht.
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