Was war wann? Schmuck >> 1970-1979
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Die 70er: Bunt, wild und eigenwillig

Die Mode der 70er ist bunt, und das in jeder Hinsicht. Rutschten in den 60ern die Rocksäume jede Saison um einige Zentimeter hoch oder runter, so dass die Trägerin ihre Garderobe ständig umnähen musste, so ist jetzt alles tragbar: Mini – Midi – Maxi. Von den kessen Hot Pants, die kaum den Po bedecken, bis zum knöchellangen Rock aus weich fließender Baumwolle, mit bauchfreiem Wickeltop zu tragen; wadenlange Jeansröcke, knackige Minis mit farblich passender Unterwäsche, die man beim

Bücken sehen darf, Schlaghosen mit Stickerei an den Seiten. Perücken und Dutts aus den 60ern landen auf dem Müll, Büstenhalter folgen hinterher, Lockenwickler werden zum Symbol provinzieller Hausmütterchenhaftigkeit.
So bunt und vielfältig wie die Kleidermode gibt sich auch der Schmuck. Erlaubt ist, was gefällt. Zum ersten Mal in der Geschichte machen Jugendliche und junge Erwachsene ihre Mode selbst, zum ersten Mal wird die Mode jugendlicher Subkultur von Modedesignern übernommen und kopiert. Zuerst nur der extreme, verrückte, ausgeflippte Look der Hippies und Blumenkinder. Bunte Glasperlen, Halbedelsteine, Muscheln; flatternde Schals und Tücher; klirrende marokkanische Armreifen aus billigem Silberimitat; aus Garnresten gehäkelte Accessoires. Die Ketten sind bis zu knielang, werden zu mehreren getragen, mehrfach um den Hals gewunden oder über der Brust zu einem Knoten geschlungen. Die Augen sind meist mit schwarzem Kajal dick umrandet, die Lippen bleiben ungeschminkt. Die Füße stecken in Jesussandalen oder unförmigen Holzclogs mit Plateausohle.
Daneben: Palästinensertücher um Kopf und Hals zu ausgefransten Jeans und selbstgestrickten Schlabberpullis. Wichtigstes Accessoire ist die Nato-Tasche aus dem Second-Hand-Laden. Der
Hippieschmuck der 70er Jahre
Hippieschmuck
Stoffriemen muss dabei immer so eingestellt sein, dass die Tasche in der Kniekehle baumelt, wenn möglich noch tiefer. An der Taschenklappe und am Riemen stecken Buttons mit Aufschriften wie "Atomkraft – nein danke", dem Peace-Zeichen oder anderen politischen Aussagen. Jeans und Taschen werden gern auch mit blauem Kugelschreiber bemalt, teils mit verschlungenen Ornamenten, teils mit politischen Parolen. Schlabberpullis und Nato-Taschen gehen mit einer Fußbekleidung einher, die seither die Modewelt erobert hat: Turnschuhe. Im Sommer sind das Basketballschuhe aus Leinen, in der kühleren Jahreszeit Sportschuhe aus Leder, vorzugsweise solche mit drei Streifen an der Seite. In den 70ern noch Antimode und Protest, wird dieser Stil demnächst von findigen Modemachern adaptiert werden.
Am Samstag Abend aber wirft auch die Schlabberpulli-Trägerin ihr Palästinensertuch hinters ungemachte Bett, holt die schicken Glitzerklamotten aus dem Schrank, lackiert sich die Fingernägel, legt Lipgloss auf und verwandelt sich in eine strahlende Disco-Queen: Saturday Night Fever ist angesagt.
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