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Die 50er: Petticoats und Rosen und ein bisschen Rebellion

Die 50er Jahre sind eine Zeit der gewollten Häuslichkeit. Alles soll seinen geregelten Gang gehen. Die Frau hütet das heimische Herdfeuer, der Mann bringt das Geld nach Hause. Von allen Plakatwänden herunter strahlen lächelnde blonde Hausfrauen, die voller Freude und ganz ohne Anstrengung ihre Wohnung putzen und dabei selbstverständlich immer so adrett aussehen wie Doris Day. Frau Adrette hat natürlich bereits einen Staubsauger und einen elektrisch betriebenen Eiskasten. Und sind mal auf dem Nierentisch vom Putzen noch die Schlieren frisch – na, dann wird der Herr Gemahl eben ganz charmant an den bereits fertig gedeckten Esstisch dirigiert. Der zärtlichen Hinweis, es gäbe heute sein Lieblingsmahl, wird ihn garantiert davon ablenken, dass es heute ein bisschen stressig war und nicht alles so glänzt und blitzt, wie es sollte. Wär ja noch schöner, wenn er wüsste, wie sich sein kleines Frauchen den ganzen Tag abstrampelt, damit er abends in ein gemütliches Heim heimkehren kann.
Junge Mädchen tragen mit Vorliebe schwingende Petticoats, die bis knapp unters Knie reichen und beim Drehen aufwirbeln, dazu hochhackige Pumps mit Pfennig-Absätzen. Die Taille ist schmal, wattierte Büstenhalter täuschen vor, was die Natur noch verweigert. Der Jungmädchentyp Marke Wildfang trägt bereits Jeans, die aber selbstverständlich nur in der Freizeit und auch dann nur, wenn es die Frau Mama erlaubt. Sie, die Jeans, haben den Reißverschluss an der Seite, denn vorne wäre unzüchtig. Junge Mädchen heißen jetzt Teenager und schwärmen für Elvis Presley, Marlon Brando und James Dean. Der "Rebel Without a Cause" ist ihr Idol. Im richtigen Leben "gehen" sie freilich mit Jungs, die Klaus-Dieter heißen und denen der Herr Papa die Ohren lang zieht, wenn er sie beim Küssen im Hauseingang erwischt.
Die Mama trägt, sofern sie es sich leisten kann, eins dieser neumodischen Chanel-Kostüme, dazu eine Kette aus Zuchtperlen. Wenn sie sich solchen Luxus nicht leisten kann, trägt sie eben Rock und Bluse und eine schlichte Brosche dazu. Billigimitate von Haute Couture sind noch nicht erfunden.

Die Brosche, die Mama trägt, ist vermutlich eine aus Elfenbein oder Bernstein geschnitzte Rose. Vielleicht aber auch ein zartes Blatt, das in eine halbedle Metall-Legierung getaucht wurde. Eichenlaub in Gold hat ausgedient. Rosenblatt in Kupfer ist grade ganz groß in Mode. Rotmetall-Allergiker werden demnächst beim Niesen so klingen als würden sie "Ho Chi Minh" sagen. Aber das ist, wie so oft in der Geschichte, eigentlich nicht so wichtig.

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