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Von 1939 bis 1945 war Mode und
Schmuck kein Thema, das die Allgemeinheit
interessiert hätte. Allenfalls zerriss man sich –
hinter vorgehaltener Hand, versteht sich – das Maul
über die gewissen Damen der Nazibonzen.
Ansonsten galt: Die deutsche Frau schminkt sich
nicht. BDM-Mädels trugen stramme blonde Zöpfe zum
bayrischen Dirndl oder hampelten in züchtigen
Trikots auf Turnerfesten herum. Frau Rosenblatt von
nebenan trug statt des Familienschmucks einen gelben
Davidsstern, der mit ungeschickten Stichen an ihr
Kleid geheftet war. Später war sie dann einfach
nicht mehr da. Niemand wusste Näheres. Ihren
Familienschmuck, den die Nachbarinnen noch ganz gut
kannten, trug jetzt die gewisse Dame des Herrn
Obersturmbannführers. Auch die elegante
Vierzimmerwohnung der Rosenblatts gehörte jetzt dem
Herrn Obersturmbannführer und seiner Speziellen, von
der es hieß, sie sei mit ihm verlobt.
Mit Glück oder einem hieb- und stichfesten "Ariernachweis"
oder beidem konnte Schmuck zur
Überlebensversicherung werden. Wertvolle Juwelen,
direkt am Körper getragen, waren auf der Flucht
leichter mitzunehmen als anderer Besitz. Aktien und
Wertpapiere waren ohnehin nichts mehr wert.
Immobilien ließen sich schlecht zu Geld machen,
spätestens ab dem Zeitpunkt, ab dem sie reihenweise
kaputt gebombt wurden.
Unmittelbar nach Kriegsende hatte ein Brillantring
auf dem Schwarzmarkt in etwa den Gegenwert eines
Brotlaibs. Wer genug Ringe in der Schmuckschatulle
hatte, konnte damit eine Zeit lang überleben. Geld
kann man bekanntlich nicht essen. Diamanten, egal ob
roh oder geschliffen, sind für den menschlichen
Genuss ebenfalls recht ungeeignet.
An Kleidung gab es das, was beschafft oder aus
vorhandenem Material selbst hergestellt werden
konnte. Modische Interessen traten in den
Hintergrund, die Kleidung musste vor allem praktisch
und haltbar sein.
Als die Trümmer der verlorenen Träume dann so
halbwegs weggeräumt waren und die Damen sich endlich
wieder der Mode zuwenden konnten, fehlte immer noch
dies und das, beispielsweise das Geld, um die
Luxusgüter, die es nun wieder gab, zu bezahlen.
Doch Not macht bekanntlich erfinderisch. So entstand
die Mode des Waden-Schminkens. Nylons, das
Nonplusultra an modischem Schick, waren zwar
wahnsinnig teuer, doch eine ihrer Eigenschaften –
eigentlich ein Manko – war leicht kopierbar: Da
Nylonstrümpfe ursprünglich nicht rundgewirkt,
sondern zusammengenäht wurden, hatten sie immer eine
Naht an der Rückseite. Findige junge Frauen malten
sich mit Augenbrauenstift einen Strich an die nackte
Wade, der vom Rocksaum in der Kniekehle bis zur
Ferse reichte. Fertig war die Illusion eines teuren
Nylon-Strumpfes.
Dass man sowas Jahrzehnte später Bodypainting nennen
und weiter ausbauen würden, ahnten die Damen damals
freilich noch nicht.
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