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Alles schon gehabt, alles schon
da gewesen, und nun also auch das noch: ein neues
Jahrtausend. Kaum sind die letzten Feuerwerke zum
Millennium verpufft, da ist auch das halb
erleichterte, halb enttäuschte Erstaunen darüber,
dass Y2K weder Flugzeuge zum Absturz brachte noch
die Infrastruktur von Krankenhäusern lahm legte,
schon wieder abgeklungen. Das Kreditkartenkonto
weist dankenswerterweise keinen Zahlungsrückstand
von 99 Jahren, 11 Monaten und 17 Tagen mit
entsprechenden Verzugszinsen aus. Zeit, sich zu
überlegen, was man denn nun so trägt im neuen
Jahrtausend.
Vorerst hält es sich noch bedeckt und zeigt kaum
Unterschiede zu den
Neunzigern.
Langsam rollt das
80er Revival heran, ist noch nicht ganz
da, da macht es mit einem Mal „Rumms“: Nine-Eleven
prägt dem neuen Jahrzehnt nachhaltig seinen Stempel
auf. Ab nun wird nichts mehr so sein, wie es vorher
war – und doch ist wundersamer Weise alles wieder
beim Alten. Die Twin-Towers sind weg und mit ihnen
das Vertrauen in die gefühlte weltweite Sicherheit
seit dem Ende des Kalten Krieges. Der Dritte
Weltkrieg scheint mit einem Mal wieder denkbar, das
Schreckgespenst der atomaren Bedrohung kriecht
erneut gruselig die Wirbelsäule hoch und erfordert
eine Fülle an noch gruseligeren Counterparts in Form
von fantasiereicher Fiktion und … einer Ästhetik der
Hässlichkeit.
Das Achtziger-Revival hat da durchaus einiges zu
bieten, als da sind: Scheußlich bunte Nylonstrümpfe,
mädchenhaft schwingende Miniröckchen an
faltenreichen Mittvierzigerinnen mit
dauerdiät-bedingt mageren Beinen, an denen unten
dran Schühchen stecken wie dereinst in Jugendtagen:
flache Ballerinas, niedliche Halbstiefelchen,
zierlich Spitziges, das den Vorderfuß quält – oder
aber auch klobig Viereckiges.
Ebenso viereckig präsentieren sich die künstlich mit
Gel geformten Fingernägel im „French Style“, die
dann zudem gern auch noch mit glitzernden Steinchen
verziert werden.
Beim Schmuck kann sich der Trend des 80er-Revivals
nicht so recht durchsetzen. Die schrillen, riesigen
Plastik-Ohrringe, Ketten und Armreifen finden kaum
Wiederaufnahme. Wieder angesagt ist hingegen
Ethno-Look jeglicher Ausprägung, vorzugsweise in
Naturmaterialien wie Keramik, Holz und Elfenbein,
aber auch in Form von Nachbildungen aus Kunststoff.
Die Frisuren sind schräg, asymmetrisch, teils
absichtlich „schlecht“ geschnitten. Eine Art „Homecut-Look“
erobert die Frisurenwelt. Auch der mit Textilfasern
umsponnene bunte Haargummi feiert seine
Wiederauferstehung.
Alles in allem ein reichlich wirres und ziemlich
eckiges Jahrzehnt. Hervorragend geeignet für eine
ausgeprägte Midlifecrisis, eine heftige Pubertät
oder einfach ... Leben, wie einem der Querkopf
gewachsen ist. wwwaprw15 |