Was war wann? Schmuck >> Schmuckmode >> 1910-1919
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Die 1910er Jahre: Alles geht zu Bruch

Das Jahrhundert hat so aufregend begonnen, aber immer mehr zeigt sich, dass die alte Gesellschaftsordnung auseinander bricht. Höhere Töchter mucken ebenso auf wie die Arbeiterklasse. Nichts ist mehr so, wie es nach den Vorstellungen der wohlsituierten Bürger und der regierenden Monarchen sein sollte. Auch in der internationalen Politik läuft alles schief. Das Attentat auf den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand in Sarajevo im Juni 1914 ist nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. In nur vier Jahren schießen sich die europäischen Monarchien selber ab. Auf der Strecke bleiben Millionen Soldaten, die "für Gott, Kaiser und Vaterland" ihr Leben oder wenigstens ihre geraden Glieder und ihre Gesundheit gelassen haben. Und hinter der Front? Auch die Frauen haben in den Kriegsjahren wohl anderes im Sinn als Schmuck und Flitterkram. Danach dann für eine ganze Weile ebenfalls. Revolution, politischer Umbruch, psychisch und physisch kaputte Kriegsheimkehrer – das Ende des Jahrzehnts ist keine gute Zeit für modischen Schnickschnack.

An Bord der Titanic allerdings ist die Welt noch in Ordnung. Sie ist ja unsinkbar. In Southampton, England, steigt am Mittwoch die elegante Gesellschaft ein, am Donnerstag in Queenstown, Irland, das gemeine Volk, das im Zwischendeck befördert sein will. Dann geht es los mit der Reise über den Atlantik. Zielort Ellis Island ... oder so. New York jedenfalls.

Die Herzogin von Ypsilon trägt gerade ihr Makeup auf, als das Schiff zu schwanken beginnt. Sie denkt, es wäre ein leichter Schwindelanfall, legt daher vorsorglich ihre goldene, mit Brillanten und Smaragden besetzte Agraffe ab und sich zu Bette. Als der Steward sie holen kommt, vergisst sie darauf, wirft die Nerzstola um die Schultern und sich ins Gewühl. Der Steward steckt fürsorglich das kostbare Schmuckstück in die Jackentasche seiner Uniform. Zweifellos hat er die Absicht, es der Dame später zu übereichen. Unglücklicherweise kommt es nie dazu. Die Herzogin klagt, doch da der mutmaßliche Täter irgendwo auf dem Grund des Atlantiks liegt, weil sein Arbeitgeber ein kleines Logistikproblem hatte, bleibt die Sache in der Schwebe. Die Erben grübeln noch heute.

Was an Bord der Titanic an Schmuck getragen wurde, war zweifellos nicht nur ein Vermögen wert, sondern auch in künstlerischer Hinsicht beispiellos. Die Schmuckstücke der Jugendstil-Ära haben einen unbeschreiblichen Zauber. Sie hätten es verdient, dass heute Korallenstämme aus ihnen wüchsen. In diesem Falle wenig wahrscheinlich. Die Titanic hätte an passenderer Stelle sinken sollen. Der Grund des Atlantiks ist zu kalt für Korallen.

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Das 20. Jahrhundert