Musikgeschichte der DDR

Von der Gründung der DDR am 7. Oktober 1949 bis zu ihrem Ende hatte sich in diesem deutschen Staat eine eigene Musikkultur entwickelt, bei der sich die Freiheit der Kunst allerdings den Richtlinien der diktatorischen Partei- und Regierungsführung weitestgehend unterzuordnen hatte. Dessen ungeachtet versuchten Musiker in allen Bereichen, auch in der so genannten E-Musik, die Grenzen des Machbaren auszuloten, weil sie auch in ihrem musikalischen Schaffen bestrebt waren, ihre Meinungsfreiheit und ihre Sicht auf die Situation in der DDR auszudrücken. Der Schlagerbereich war davon am wenigsten betroffen.

Rock- und Popmusik in der DDR

Die Rock- und Popmusik, die damals in ganz Deutschland noch Beatmusik genannt wurde, bekam ihre eigene Richtung nicht sofort nach der Gründung der DDR. Zunächst orientierten sich die Menschen im neu gegründeten Staat noch an der Musik in der BRD und den Einflüssen aus der amerikanischen Szene. Der erste Staatsratsvorsitzende der DDR, Walter Ulbricht (1893-1973), der von 1949 bis 1971 regierte, lehnte die westliche Musik in jeglicher Form ab, vor allem die Beatmusik und ordnete an, dass es in der DDR eine eigene Unterhaltungsmusik zu geben hatte. Die sollte sich von den „wilden“ Klängen des Nachbarlandes unterscheiden, die
ohnehin nur Gift für die werktätige Bevölkerung waren, wie es öffentlich dazu hieß.
1959 wurde deshalb eigens für die DDR-Bevölkerung ein Tanz kreiert, der wohl den Nichttänzern im Politbüro eingefallen sein musste – Lipsi. Er sollte den Rock'n'roll aus den Köpfen verdrängen. Der neue Tanz fand kaum Anhänger und verschwand so schnell, wie er aufgetaucht war. Anders war es mit dem Twist, der in den frühen 1960er Jahren aufkam. Seine Ursprünge lagen in der afroamerikanischen Musik. Er war auch eine Ära in der westlichen Musik, wurde aber von der DDR als „harmlos“ eingestuft. Tanzmusik, zu der man tatsächlich tanzen konnte, gab es in den Anfangsjahren der jungen Republik häufig als Einspielungen ohne Text zu kaufen. Das Englische wurde mit der westlichen Musik identifiziert, war also verpönt. Dann lieber gar kein Text, dachten sich viele Musiker und schrieben zu ihrer Musik dann auch keine deutschen Texte.
Rockbands hatten es in der Ulbricht-Ära schwer. Vor allem Mitte der 1960er Jahre war das Vorgehen gegen diese Bands noch von harter Gangart.
Als 1965 in der Westberliner „Waldbühne“ ein Konzert der „Rolling Stones“ mit Krawallen und Randale endete, nahm in der DDR die Intoleranz zu, die Rockmusik, die von Gruppen wie „Sputniks“ oder „Butlers“ gespielt worden war und auch die Schaffung des Jugendrundfunksenders „DT 64“, der in seiner Programmgestaltung versuchte, freizügiger zu sein – all das wurde nun wieder besonders streng begutachtet. Die Musik aus dem Westen wurde größtenteils nach dem Gehör nachgespielt, von den Tonbändern, die man privat aufgenommen hatte.
Ulbrichts Zensur war dogmatisch. Unvergessen sind seine Worte zur Beatmusik aus jener Zeit: „Ich denke, Genossen, mit der Monotonie des Je-Je-Je, und wie das alles heißt, ja?, sollten man doch Schluss machen. […] Ist es denn wirklich so, dass wir jeden Dreck, der vom Westen kommt, kopieren müssen?“
In der DDR kam es zu einer Debatte auf höchster Regierungsebene, um gegen die Beatmusik und ihre Macher vorzugehen. Sogar der Vorschlag, diese „Gammler“ in Arbeitslager unterzubringen, wurde erörtert. Als dann in Leipzig fast alle dort verzeichneten Gruppen verboten wurden, so auch die „Butlers“ und „Klaus Renft“ und zudem keines der geplanten Beatkonzerte stattfinden durfte, zeigten sich die Jugendlichen empört. Sie gingen auf die Straße, um ihrem Unmut Luft zu machen. Als „Beatdemo“ ging diese nicht genehmigte Kundgebung in die Geschichte ein, einmal mehr, da sie von der Volkspolizei der DDR und den Kräften der Staatsicherheit mit Gewalt beendet wurde. Fast 300 Personen wurden verhaftet, von denen einige zu einem Arbeitseinsatz verdonnert wurden, der in Braunkohletagenbauen absolviert werden musste.
Als 1971 Erich Honecker (1912-1994) als Ulbricht-Nachfolger sein Amt antrat, wurden junge, aufstrebende Bands zwar gefördert, aber streng im Auge behalten.
Erst in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre konnten diese Gruppen ihre Texte freier gestalten und tatsächlich auch kritische Songs herausbringen, die nicht goutiert, aber meist geduldet wurden. Das Publikum in der DDR, vor allem die junge Generation, die nicht hundertprozentig gewillt war, in einem unfreien Land zu leben, lechzte förmlich nach solchen Texten, deren Musik nun wieder Ähnlichkeit bekam mit dem, was international angesagt war. Außerdem hatten die Menschen längst gelernt, zwischen den Zeilen zu lesen und zu hören. So wurde mancher Titel landesweit schnell populär, der erst beim zweiten Hinhören seine Polit-Kritik offenbarte und
deshalb dem Bürokraten-Auge der Zensur verborgen geblieben war.
Dennoch waren Auftritte von nebenberuflichen Musikern nur mit einer staatlichen Erlaubnis möglich, die sie als „künstlerische Volksschaffende“ auswies. Hauptberufliche Künstler, die eine Ausbildung absolviert hatten, waren durch ihre Diplome u. ä. berechtigt, aufzutreten. Doch insgesamt war es für alle Musiker nicht leicht, sich mit einem guten, technischen Equipment auszustatten, erst recht nicht für die Amateurtanzkapellen. Die Bands, die es in kleiner Besetzung zuhauf gab, wurden im DDR-Jargon staatlicherseits „Gitarrengruppen“ genannt. Auf Tanzveranstaltungen spielten sie mitunter mit Instrumenten, an denen sie selbst herumgebastelt hatten, wie auch an ihren Verstärkern. Der neue Klang machte es immerhin möglich, auch Songs von den Beatles, Titel aus der Country-Musik oder Blues zu spielen.
Bis zum Ende der sechziger Jahre hatte die Zahl der Combos, Sextetts oder Quintetts enorm zugenommen. Musikalisch herausragend waren beispielsweise Gruppen wie das Günther-Fischer-Quintett oder Thomas Natschinski und seine Musiker. Die Langspielplatten, die produziert wurden, waren mit deutschsprachigen Titeln bestückt.
Die DDR-eigene Musikkultur, die sich herausgebildet hatte, war in den 80er Jahren zu einer selbstbewussten geworden, wobei sogar der eine oder andere Titel im Westen Deutschlands Anklang fand wie z. B. „Über sieben Brücken musst Du gehen“ von der Gruppe „Karat“. Auch die „Puhdys“ gehörten zu den Bands, die sich abhoben und von der Jugend mit Begeisterung gehört wurden.

Der Schlager in der DDR

Auch im Schlagerbereich waren in den Anfangsjahren die Einflüsse der westlichen Schlagermusik noch deutlich spürbar. Was in der Bundesrepublik angesagt war, kannte man auch hinter der Grenze und mancher Ohrwurm gefiel den Menschen in ganz Deutschland, unabhängig von ihrer Landeszugehörigkeit. Erst nach und nach griff die Strenge der staatlichen Organe, die keine „Westschlager“ tolerierten. Westliche Rundfunksender wurden zwar gehört, aber es war nicht erwünscht.
Um die Menschen auch musikalisch und kulturell auf die Seite des sozialistischen Alltags zu ziehen, begann man Ende der sechziger Jahre Musikfilme zu drehen. Schlagersänger wie Frank Schöbel und Chris Doerk fungierten als Protagonisten, spielten und sangen in den Leinwandstreifen, die man versuchte, wie ein Musical zu gestalten (z. B. „Heißer Sommer“, 1968). Diese Filme fanden guten Zuspruch und streiften keine kritischen Themen.
Die Schlagerszene in der DDR hatte seit dem Ende der fünfziger Jahre einen engagierten Förderer – Heinz Quermann (1921-2003). Er war seit 1947 als Leiter der Unterhaltungsabteilung beim Mitteldeutschen Rundfunk Leipzig tätig, hatte zahlreiche Sendeformate entwickelte, die er selbst moderierte. Schlagersendungen wie „Das Schlagermagazin“ (Berliner Rundfunk) und die Fernsehsendung „Schlagerstudio“ waren jahrelang mit seinem Namen verbunden. Durch die TV-Sendung „Herzklopfen kostenlos“ war Quermann auch als Entdecker vieler, später namhafter Schlagersänger bekannt geworden. Unter anderem Dagmar Frederic, Frank Schöbel und auch Helga Hahnemann wurden dank seiner Förderung zu beliebten Schlagersängern, teilweise auch über die Zeit der Wende hinaus.
Das DDR-Plattenlabel „Amiga“ hatte im Schlager-Genre eine enorme Produktionsquote. Die Komponisten (Arndt Bause, Ralf Petersen, Gerd Natschinski u. a.) und Texter (Gisela Steineckert, Fred Gertz, Kurt Demmler u. a.) dieser Produktionen hatten teilweise einen ebenso bekannten Ruf wie die Interpreten selbst. Doch mitunter waren die Grenzen zur Rockmusikszene fließend und nicht selten schrieben sie auch Texte und Musiken außerhalb des Schlagerbereiches. Die Schlagerinterpreten traten meistens allein auf, wurden von Orchestern begleitet und nur Ausnahmekünstler wie z. B. u. a. Veronika Fischer hatten eine eigene Band.
Zur Schlagerszene in der DDR zählten auch die Sänger aus osteuropäischen, befreundeten Ländern, deren Texte in deutscher Sprache interpretiert wurden. Zu den bekannten Schlagerstars des Ostens gehörten u. a. Václav Neckář (Tschechoslowakei), Zsuzsa Koncz (Volksrepublik Ungarn), aber auch der gesamtdeutsch bekannte Karel Gott aus Prag.
Es gab Schlagerfestivals, die als international bezeichnet wurden, aber meist nur aus den Künstlern der sozialistischen Bruderländer bestanden, außer dem „Internationalen Schlagerfestival der Ostseeländer“. Die Schwedin Nina Lizell hatte beispielsweise einen großen Plattenabsatz in der DDR.

Und außerdem... Sonstige Musik der DDR

Da sich viele Lieder nicht eindeutig einer Schublade zuordnen ließen, damit auch die Interpreten musikalische Grenzgänger waren, sei hier nur erwähnt, dass der Schlagergesang auch häufig das Genre der Stimmungslieder bediente. Das konnte ein einzelnes Lied sein, das ein bekannter Sänger zu einem Hit machte, es konnte aber auch eine Rockband sein. Aber in umgekehrter Weise gelang es einem Schlagersänger auch Furore mit einem progressiven Titel zu machen. Hier waren keine genauen Festlegungen an der Tagesordnung. Je stabiler die DDR politisch zu sein schien, desto lockerer wurde die Zensur gehandhabt. Das machte sich besonders in den achtziger Jahren bemerkbar, obwohl gerade in jener Zeit die Stabilität merklich nachließ, scheinbar aber als gefestigt angesehen wurde, jedenfalls in den Regierungskreisen.
Einen besonderen Platz im Musikleben der DDR hatte das Chanson. Es war fast immer mit einer mehr oder weniger politischen Aussage versehen und seine Interpreten waren meist Schauspieler, die aber auch zahlreiche Schallplatten mit Lieder aus Stücken von beispielsweise Bertolt Brecht/Kurt Weill o. ä. herausbrachten. Allen voran die international bekannte Schauspielerin Gisela May, die mit ihren Brecht-Interpretationen durch die Welt tourte und nicht
nur dem Chanson, sondern auch der sogenannten ernsten Musik zugeordnet werden konnte.
Aber auch Manfred Krug hatte einen angesehenen Status als Sänger. Seine Platten, die er vorrangig mit Günther Fischer erarbeitete und die auch dem Jazz zugeordnet werden konnten, waren schnell vergriffen.
Hingegen hatten es Liedermacher der jüngeren Generation schwer in der DDR, denn einer echten Kritik verschloss sich das Land zunehmend, wie die Ausbürgerungsaktion 1978 zeigte, die die Rückreise Wolf Biermanns von einem Konzert aus Westdeutschland verhinderte. Die Protestwelle war groß, Biermann wirkte in der DDR nun auch ohne seine Lieder weiter, weil ihn nun jeder kannte, der von ihm vordem noch nichts gehörte hatte.
Die Komponisten der Neuen Musik – Hanns Eisler (schuf mit Johannes R. Becher die Nationalhymne der DDR), Paul Dessau, Günter Kochan u. a. – hatten, obwohl sie aus dem Exil in die aufstrebende DDR gekommen waren, keine Narrenfreiheit in ihrem künstlerischen Schaffen. Sie mussten ihre musikalische Arbeit in den Dienst des sozialistischen Realismus stellen und bekamen das in ihren Aufträgen entsprechend angewiesen. Das von Ernst Hermann Meyer geschaffene „Mansfelder Oratorium“ ist nur eines dieser Beispiele, wobei hier keinesfalls an der musikalischen Qualität etwas ausgesetzt werden soll.
Die Komponisten der ernsten, der Neuen Musik, waren angehalten, auch Lieder für die Massen zu schaffen. Bis zum Beginn der 1960er Jahre hatte hier die „Staatliche Kommission für Kunstangelegenheiten“ (Stakuko) das Sagen. Doch mit den Jahren fand eine immer deutlichere Loslösung von den Forderungen des Staates statt. Keinem Künstler kann man auf Dauer vorschreiben, was er zu schaffen hat.
Seit 1967 fand regelmäßig das „Internationale Festival der zeitgenössischen Musik“ einmal im Jahr in Ost-Berlin statt. In den achtziger Jahren, konkret seit 1987, gab es dann die „Dresdner Tage der zeitgenössischen Musik“, die von Udo Zimmermann initiiert worden waren.
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