| Musikgeschichte der 90er Jahre | ||
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Das Jahrzehnt begann mit der Erfahrung geöffneter Grenzen. Es verwundert nicht, dass diese Erfahrung sich auch kulturell niederschlug. Dazu kam der Umstand, dass wir nun ins letzte Jahrzenhnt des zweiten Jahrtausends eintraten. Angesichts vieler Comebacks bereits abgetretener Musikgrößen und diverser Doch zu Anfang war es eine Teenager-Popband, die viele erfreute und vielen unsäglich auf die Nerven ging. Die New Kids On The Block lösten eine Serie von Boygroups aus, deren Choreografien wahrscheinlich stärkere Akzente setzten als ihr musikalischer Output. Im Sommer 1991 holte das vormalige Flaggschiff des Metal öffentlichkeitswirksam sein Großsegel ein. Als Metallica-Songs in den Haushaltswarenabteilungen diverser Kaufhäuser erklangen, gab es keinen Grund mehr zu glauben, dass die Metalbewegung sich weiterhin von anderen Sparten der Popmusik abgrenzen könnte. Crossover hieß das neue Zauberwort. Was im Untergrund seit vielen Jahren gärte, nahm nun vorzeigbare Formen an und brach sich Bahn bis an die Spitze der Hitparaden. Nirvana feierten mit "Nevermind" ein Hochfest des Grunge-Rock. Faith No More erzielten mit ihrer Funk-Pop-Rock-Metal-Melange blendende Erfolge. Später wurde gar für diejenigen Bands, die auf ähnlichen Pfaden wandelten, ein Genrebegriff geschaffen. Nu Metal war zwar durchaus auf- und anregend, aber weder wirklich neu noch im eigentlichen Sinne Metal, sondern eher mit Elektrogitarren und harten Beats versehener Pop. Waren bereits um 1988 aus Fachkreisen wiederholt Stichworte wie "Acid House" zu vernehmen, so konnte jetzt niemand mehr den Fakt ignorieren, dass die nähere Zukunft der Tanzhallen vollelektronisch gestaltet wurde. Techno, seiner Härte wegen zeitweise "Tekkno" geschrieben, machte das Zuhören endgültig zur Nebensache und lud zum Tanzen bis zur Erschöpfung ein, worüber sich kaum ein Lieferant des "Kraftspenders" Ecstasy geärgert haben dürfte. Das Konzept des Tracks, der im Gegensatz zum Song scheinbar ohne Anfang oder Ende, demzufolge in jeder Hinsicht Offenheit implizierend, oft nur durch kleine Variationen aufgelockert, beliebig lange dahinfließen konnte, beeinflusste das allgemeine Musikverständnis unmerklich und doch fundamental. Wo Anfang und Ende offen sind, können sie genau so gut sehr dicht beieinander liegen. Das Resultat sehen wir nicht nur in unzähligen Musikschnipseln, die MP3-Player und Handyspeicher bevölkern, sondern auch am Downbeat, dessen Domäne die Entspannung Die dunkle Seite von EBM & Co. trat aus dem Schatten der Subkultur ans Licht der Öffentlichkeit. Dark Wave und Gothic, die wichtigsten musikalischen Teilbereiche der Schwarzen Szene, kamen bestehenden Bedürfnissen nach Klang gewordener Einsamkeit, Melancholie oder gar Depression sehr entgegen. Last but not least spielte dank der Bemühungen des WOMAD-Festival-Initiators Peter Gabriel das Interesse an der Musik anderer Völker für den Musikmarkt eine immer größere Rolle. Auch die verstärkte Zusammenarbeit mancher Jazzmusiker (wie beispielsweise Jan Garbarek) mit traditionellen Vertretern bisher kaum beachteter fremdartiger Musikstile verschaffte letztgenannten einige Aufmerksamkeit. Konnten früher nur wenige "nichtwestliche" Künstler, allen voran Ravi Shankar, mit der Musik ihrer Heimat Weltruhm erlangen, so gehörte es jetzt zum guten Ton, sich auch ein wenig über den Pakistaner Nusrat Fateh Ali Khan, die Kapverdierin Cesária Évora oder den Senegalesen Youssou N'Dour äußern zu können. Die Globalisierung war engültig in den CD-Playern angekommen. |
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