Was war wann? Mode >> Modegeschichte >> 60er Mode DDR >> 1960-1969
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Kleidung - Die Kittelschürze

Das typische Bild der Frau in der DDR verbindet sich immer noch mit einem modischen Dauerbrenner. Es ist die Kittelschürze, die bei jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit getragen wurde. Sie gehörte zur Basis-Garderobe der Frauen. Sie wurde von den Arbeiterinnen in den volkseigenen Betrieben getragen, sie war für Garten- und Hausarbeit unerlässlich und Frau konnte sich in ihr auch sehen lassen, wenn sie schnell einmal zur HO-Kaufhalle ging. Die Kittelschürze konnte anstelle eines Kleides getragen oder darüber angezogen werden, um die „richtige“ Garderobe vor diversen Verschmutzungen zu bewahren. Sie war in jeder Hinsicht praktisch. Nur eines war sie nicht: eine Erfindung der DDR-Modemacher. Im Gegenteil. Wenn man die Kittelschürze als eine für die ostdeutsche Frau charakteristische Bekleidung hält, darüber womöglich noch die Nase rümpft, sollte man bedenken, dass ihr Ursprung viel älter ist als die DDR jemals wurde. Ihren Ursprung hat die Kittelschürze nämlich in Amerika, wo sie als „hooverette“ bereits nach dem Ersten Weltkrieg auftauchte. Sie war ein sogenanntes Arbeitskleid, das zwei überlappende Seitenteile hatte. War eine Seite unansehnlich, könnte die andere Seite nach vorn sichtbar getragen werden. Gehalten wurde sie mit einem Gürtel, der durch die eine oder andere Stoffseite gezogen werden konnte. Ein gut durchdachtes Kleidungsstück, das schon damals Anklang und begeisterte Trägerinnen fand. Nicht nur in Amerika. Ihren Siegeszug trat die Kittelschürze sehr schnell an und sie eroberte die Körper der Frauen modisch gesehen im Sturm. Sie also als Charakteristikum der DDR-Damen-Mode zu bezeichnen, entbehrt jeder historischen Grundlage. In der DDR wurde sie lediglich den entsprechenden Trage-Bedürfnissen angepasst. Hierbei war der amerikanische Ursprung anscheinend unbedenklich. Übrigens trugen auch die Frauen in der BRD dieses Schürzenkleid. Was den alten und neuen, den amerikanischen und deutschen Modellen zu einem besonderen Vorteil gereichte, waren ihre klein- und großblumigen Muster. Die meisten Flecke gingen optisch in diesem Farb- und Mustergefüge unter.
Die Palette der Kittelschürzen-Modelle war enorm. Es gab so viele verschiedenen Kreationen, dass die Auswahl schwer war. Für jeden Geschmack und für jeden Zweck gab es die richtige. Sie war unbestritten praktisch, unterstrich zudem eine zeitgemäße Sparsamkeit im Umgang mit der restlichen Garderobe und sie war sehr kostengünstig zu haben. In Geschäften für Arbeitsbekleidung. Das war gerade so, als ob sich die Mode selbst von den Kittelschürzen distanzierte, was deren langer Beliebtheit allerdings keinen Abbruch tat. Es gab sie in einer schier unerschöpflichen Farb-, Form- und Musterauswahl. Entweder hatten sie einen farblich abgesetzten Kragen oder gar keinen. Dann bestachen sie mit einem schlichten Rundhals-Auschnitt. Es gab sie mit oder ohne Gürtel. Sie hatten meist eine oder zwei aufgenähte Taschen. Neben der Farbvielfalt gab es die Kittelschürze auch einfarbig. Es schien, als ergösse sich die ganze Kreativität der Gestalter in diese Kittelschürzen. Und sie hatten eine unschlagbare Eigenschaft – vielleicht war diese so typisch für das Land im Osten Deutschlands: das Material. Vorwiegend wurden sie aus Nylon gefertigt, der Kunstfaser, die ab 1959 in der DDR offiziell Dederon genannt wurde und dem Nylon-Pendant aus dem Westen entsprach. Dederon konnte leicht bedruckt werden, war reißfest, leicht waschbar, trocknete schnell und musste nicht gebügelt werden. Abends konnte man die Schürze waschen, am nächsten Morgen konnte Frau sie wieder frisch anziehen. Das Waschen nach kurzer Zeit war allerdings auch nötig, denn der Stoff ließ kaum Luft durch und hätte nach längerer Tragezeit einen körpereigenen, meist unerfreulichen Geruch angenommen. Da fast jede erwachsene Frau eine oder mehrere Kittelschürze in ihrem Besitz hatte, wirkte sie landesweit wie eine variantenreiche Uniform. In späteren Jahren wurde die Kittelschürze dann auch aus anderem, körperfreundlichen Material hergestellt. So angeblich typisch sie für die DDR-Frauen war, so typisch waren eben diese Schürzen auch für die weiblichen Erwachsenen in der BRD. Sie waren deutschlandweit unverwüstlich und – sie sind es heute noch. Kaum ein gut sortiertes Versand- oder Kaufhaus würde auf diese Bekleidung verzichten, denn sie waren und sind keine Ladenhüter. Sie haben die Jahrtausendwende überstanden und werden immer noch gekauft. In Ost und West.
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