Geschichte des Faschings |
|
Vor beinahe fünftausend Jahren,
als der Mensch gerade erst begonnen hatte, der
Nachwelt schriftliche Zeugnisse seines Tuns und
Lassens zu vererben, kannte man in Mesopotamien
schon den Brauch, einmal im Jahr die - noch nicht
sehr lange bestehenden - gesellschaftlichen
Schranken aufzuheben. Für wenige Tage galten alle
vom hohen Würdenträger bis zum Sklaven gleich viel,
auf dass sie unterschiedslos ausgelassen das noch
junge neue Jahr in Gestalt des Frühlings begrüßen
konnten. Eine interessante Ausprägung erfuhr der Karneval im siebzehnten Jahrhundert in der Republik Venedig. Dort beging man dieses Fest durchaus kultiviert. Viele bedeutsame Musik- und Theaterwerke der venezianischen Kultur wurden anlässlich des Karneval verfasst. Allerdings dienten die seit Jahrhunderten üblichen Masken oft lediglich dem Zweck, Männern auf der Suche nach amourösen Abenteuern dort Zutritt zu verschaffen, wo sie eigentlich nichts zu suchen hatten - beispielsweise in Ungefähr zur selben Zeit hatten die Portugiesen den Karneval nach Brasilien gebracht. Die einheimische Bevölkerung passte ihn ihrem Geschmack an. Das Ergebnis kann man regelmäßig in Rio de Janeiro bestaunen. Im nördlicheren Europa hatte die närrische Zeit - nicht zuletzt unter dem Einfluss von Reformation und Gegenreformation - gemäßigtere Formen angenommen und war teilweise in weltlich motivierte Feierlichkeiten übergegangen. Am Karneval beziehungsweise der Fastnacht hielten (mit wenigen Ausnahmen wie der Stadt Basel) nur Landstriche katholischer Konfession fest. Neben dem bunten Treiben in den Straßen wurden in Deutschland seit dem achtzehnten Jahrhundert, inspiriert durch das Beispiel Venedigs, Maskenbälle veranstaltet, wobei die "fünfte Jahreszeit" nach und nach zu einer Domäne des Bürgertums wurde. Als nach den Napoleonischen Kriegen weitläufige katholisch geprägte Gebiete unter preußische Herrschaft fielen, hielt dort ein gesteigertes Ordnungsdenken Einzug, das auch vor dem Karneval nicht Halt machte. In Köln etablierte sich ab 1823 ein - im wahrsten Sinne des Wortes - Paradebeispiel für organisierte Fröhlichkeit, welches sich im Laufe von über 180 Jahren nur in Details verändert hat. Erst nach dem Ersten Weltkrieg wurden alte Fastnachtsbräuche, die nur noch in wenigen Gegenden präsent waren, im großen Stil wiederbelebt. Seither unterscheidet man je nach Region und Art des Feierns zwischen Fastnacht und Karneval, wobei man in einigen Regionen an der Bezeichnung "Fasching" festhält. Während des zwanzigsten Jahrhunderts erlebte der Brauch deutschlandweit einen wahren Boom. Inzwischen gibt es kaum noch einen Ort, an dem auf Straßenumzüge oder Kostümfeste gänzlich verzichtet wird. Es wurde sogar schon über ein Städtchen in Bayern berichtet, dessen Hotels und Pensionen zahlungswilligen Karnevalsflüchtlingen "Asyl" gewähren. Davon abgesehen, dass viele Völker (oft unabhängig vom christlichen Kontext) ähnliche Traditionen pflegen, werden Karneval und Fastnacht heute zumeist im deutschsprachigen Raum begangen. Nennenswerte Ausnahmen bilden beispielsweise Großereignisse in Rio de Janeiro und Santa Cruz de Tenerife, Maskenfeste in Venedig sowie der Mardi Gras in New Orleans. |
Faschingskostüme |
![]() |







