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Honecker versichert "Mauer
bleibt!" (Januar)
Am 18. Januar findet in mehreren Städten eine
Studentendemonstration gegen die schlechten
Studienbedingungen in der BRD statt. Tausende Studenten
nehmen an den Demonstrationsveranstaltungen teil. Der
Bildungsminister der Bundesrepublik, Jürgen Möllemann,
verspricht daraufhin die Aufstockung der Finanzmittel.
Staatschef der
DDR,
Erich Honecker versichert am 19. Januar dass
die Mauer auch in 50 Jahren noch bestehen bleiben würde,
wenn die Gründe dazu nicht beseitigt werden sollten.
Erstmals wird das Ausländerwahlrecht eingeführt
(Februar)
Vom 1. Februar bis zum 12. Mai treten 28 der
inhaftierten Mitglieder der
RAF
in den Hungerstreik um zu erzwingen dass alle
RAF-Gefangenen in ein Gefängnis verlegt werden. Am 6.
Februar wird der 20-jährige Chris Gueffroy beim Versuch
der Republikflucht von Grenzsoldaten der DDR erschossen.
Das Bundesinnenministerium verbietet am 9. Februar die
von Michael Kühnen geleitete "Nationale Sammlung". In
Schleswig-Holstein und anschließend auch in Hamburg wird
am 14. Februar erstmals das kommunale Wahlrecht für
Ausländer beschlossen.
Kabinettsumbildung in der BRD (März / April)
Am 3. März wird von der Volkskammer der DDR das
kommunale Wahlrecht für die ständig im Lande lebenden
Ausländer eingeführt. Die ehemalige RAF-Angehörige
Angelika Speitel wird am 8. März von Bundespräsident
Richard von Weizsäcker begnadigt. Vom 28. bis
29. März findet in Hamburg ein Meinungsaustausch
zwischen ranghohen NVA- und Bundeswehroffizieren statt.
Am 13. April wird eine Kabinettsumbildung von
Bundeskanzler Kohl angekündigt. Dieser nach soll Theo
Waigel Finanzminister, Gerhard Stoltenberg
Verteidigungsminister und Wolfang Schäuble Innenminister
werden.
Gorbatschow wird in Bonn mit Jubel empfangen (Mai /
Juni)
Am 7. Mai erhalten bei den kommunalen Wahlen in der DDR
die Kandidaten der Einheitslisten, 98,8% der
Wählerstimmen. Erstmals werden Wahlkontrollen von der
Opposition durchgeführt und an vielen Orten Fälschungen
festgestellt. Bundespräsident Weizsäcker wird am 23. Mai
mit einer eindeutigen Mehrheit von 86,3% in seinem Amt
bestätigt. Am 7. Juni findet in Ost-Berlin eine
Demonstration gegen die gefälschten Ergebnisse der
kommunalen Wahlen statt. Die Staatssicherheit der DDR
löst die Demonstration auf. Vom 12. bis 15. Juni erntet
Gorbatschow bei seinem Staatsbesuch in
Bonn großen
Jubel von der Bevölkerung. Zum Abschluss seines Besuchs
lässt er verlauten, dass die Mauer wieder verschwinden
könne, sobald die Voraussetzungen die sie hervorgebracht
haben, entfallen.
In der DDR setzt sich die erste Ausreisewelle in Gang
(Juli / August)
Am 6. Juli schließen die Regierungen der BRD und DDR
eine Umweltvereinbarung ab. Aus dem Seniorenschutzbund
"Graue Panther" heraus, wird am 12. Juli die neue Partei
"die Grauen" gegründet. In Ost-Berlin wird am 8. August
die Ständige Vertretung der BRD wegen Überfüllung
geschlossen. Darin hielten sich über 130 Bürger der DDR
auf um eine Ausreise in den Westen zu erzwingen. Die
Bonner Botschaft in Ungarn (Budapest) muss am 13. August
ebenfalls wegen Überfüllung geschlossen werden. Dort
wollten über 180 Bürger eine Ausreise aus der DDR
erzwingen. Auch die Botschaft der BRD in Budapest muss
wegen der Überfüllung von 108 ausreisewilligen
DDR-Bürgern am 24: August dicht gemacht werden. Die
Regierung Ungarns gewährt in Budapest eine einmalige
humanitäre Hilfe in dem sie den Bürgern der DDR eine
Ausreiseerlaubnis in den Westen erteilt. Am 28. August
erklärt der Bundespräsident Richard von Weizsäcker den
Verzicht der BRD auf die Gebietsansprüche in Polen. In
Bayern beginnen die ersten Vorbereitungen von
Notaufnahmelagern für Flüchtlinge aus der DDR.
Anfänge der "Wende" (September)
Am 4. September findet in Leipzig die erste
Montagsdemonstration statt. Im Rahmen dieser, wird mehr
Reisefreiheit und die Abschaffung des MfS gefordert.
Weitere Montagsdemonstrationen folgen von nun an
wöchentlich. Bei einer Demonstration am 7. September
gegen die Wahlfälschungen, werden 80 Demonstranten von
Sicherheitskräften der DDR festgenommen. Ohne Absprache
mit der Regierung der DDR, erteilt Ungarn am 10. und 11.
September allen Ausreisewilligen Ostdeutschen eine
Ausreiserlaubnis in die BRD. Auf diesem Wege kommen bis
Ende des Monats an die 30.000 Menschen in den Westen.
Die Grenzöffnung in Ungarn wird als wesentlicher Beitrag
für die "Wende" bezeichnet. Die DDR protestiert
daraufhin gegen die Öffnung der Grenze und bezeichnet
die ungarische Aktion als "Menschenhandel". Am 19.
September muss nun auch die Botschaft der BRD in
Warschau wegen Überfüllung geschlossen werden. In
Leipzig kommt es am 25. September zu einem Protest für
Reformen an dem rund 5.000 Menschen teilnehmen.
Außenminister der BRD, Hans-Dietrich Genscher verkündet
am Abend des 30. September, dass alle Flüchtlinge aus
der DDR, in der Prager und Warschauer Botschaft, in die
BRD ausreisen dürfen. Darüber hatten die Außenminister
der BRD, DDR, CSSR, Polen und der UdSSR auf der
UN-Volksversammlung verhandelt.
"Die Wende" (Oktober)
Am 1. Oktober durchqueren die Sonderzüge aus Prag
und Warschau das Gebiet der DDR. Weitere ausreisewillige
DDR-Bürger versuchen indes auf die Züge aufzuspringen.
Vom 1. bis 3. Oktober versammeln sich, trotz dem Versuch
der tschechoslowakischen Polizei dies zu unterbinden,
vor der Prager Botschaft der BRD erneut 7.600
DDR-Flüchtlinge. Die Regierung der DDR gewährt den
Flüchtlingen am 3. Oktober schließlich die Ausreise. Am
2. Oktober kommt es in Leipzig zu einer Demonstration
von 20.000 Teilnehmern, welche durch die
Sicherheitsorgane der DDR gewaltsam aufgelöst wird. In
Ost-Berlin gründet sich während dessen die
Oppositionsgruppe "Demokratischer Aufbruch". Vom 3.
Oktober bis zum 11. November stellt die Regierung der
DDR den visumfreien Verkehr mit der CSSR ein. Bei der
Durchquerung der DDR von weiteren Sonderzügen aus
Warschau und Prag, werden Bahnhöfe und Gleise gesperrt
um zu verhindern das weitere Flüchtlinge auf die Züge
aufspringen können. Im Zuge dessen kommt es am
Hauptbahnhof in Dresden zu schwersten
Auseinandersetzungen zwischen Bevölkerung und Polizei,
seit dem 17. Juni 1953. Zum 40. Jahrestag der DDR, am 7.
Oktober erscheint der Staatschef der UdSSR, Michail
Gorbatschow und äußert seine berühmten Worte "Wer zu
spät kommt, den bestraft das Leben". Vor der Presse
betont Gorbatschow die Notwendigkeit der Reformen.
Während dessen finden in vielen Städten der DDR
Demonstrationen für Reformen und Meinungsfreiheit statt,
an denen sich Zehntausende beteiligen. Diese werden von
Sicherheitsorganen der DDR brutal aufgelöst und über
tausend Demonstranten verhaftet. In Leipzig
demonstrieren am 9. Oktober erstmals 70.000 Menschen für
die demokratische Erneuerung der DDR. Am 16. Oktober
kommt es zu der bisher größten Demonstration in der
Geschichte der DDR (seit dem 17. Juni 1953) an der sich
über 120.000 Menschen beteiligen. Die Sicherheitsorgane
halten sich erneut zurück. Am 18. Oktober tritt Erich
Honecker "auf eigenen Wunsch" von all seinen Ämtern
zurück. Seine Nachfolge übernimmt Egon Krenz, welcher
der Presse gegenüber Fehler der SED-Führung einräumt und
von einer eingeleiteten "Wende" spricht. Der Sozialismus
auf deutschem Boden stünde aber trotzdem nicht zur
Disposition. Am 23. Oktober findet eine
Großdemonstration mit 300.000 Beteiligten statt, welche
sich gegen die neue Machtkonzentration bei der Neuwahl
richtet. Vom Staatsrat der DDR wird eine Amnestie für
DDR-Flüchtlinge verkündet.
"Die Wende" (November)
Ab dem 3. November dürfen DDR-Bürger das Land ohne
weitere Formalitäten über das Gebiet der CSSR verlassen.
Dies löst in den nächsten Tagen eine erneute
Ausreisewelle aus. In Ost-Berlin kommt es am 4. November
zu einer Großdemonstration für demokratische Reformen
von etwa einer halben und einer Million Menschen. Am 6.
November wird ein neues Reisegesetz erlassen, nach dem
jeder Bürger der DDR für 30 Tage im Jahr ins Ausland
reisen darf. Dies führt zu einer Demonstration von
100.000 Bürgern die eine uneingeschränkte Reisefreiheit
und freie Wahlen fordern. Das Politbüro der SED, tritt
am 8. November zurück. Politbüromitglied Schabowski
verliest am 9. November einen (falschen) Beschluss von
Egon Krenz, nach dem die vollständige Reisefreiheit
gewährt wird. Noch am selben Abend verlassen tausende
Ost-Berliner das Land. Die ersten Schlagbäume der Mauer
werden kurz vor Mitternacht geöffnet. Am 13. November
werden die Sperrzonen an der Berliner Mauer, der
innerdeutschen Grenzen und in den Küstengewässern von
der DDR aufgehoben. Bundeskanzler Kohl legt am 28.
November sein "Zehn-Punkte-Programm" vor, welches
letzten Endes zur Wiedervereinigung führen soll.
"Die Wende" (Dezember)
Am 1. Dezember wird der Führungsanspruch der SED aus der
Verfassung gestrichen. Das Politbüro des ZK der SED
tritt am 3. Dezember zurück. Erich Honecker, Willi
Stoph, Erich Mielke, Alexander Schalck-Golodkowski und
andere Spitzenfunktionäre werden aus der SED
ausgeschlossen. Günter Mittag und Harry Tisch werden
wegen Schädigung des Volkseigentums am selben Tag
verhaftet. Egon Krenz tritt am 6. Dezember vom Posten
des Staatsratsvorsitzenden zurück. Seine Nachfolge
übernimmt Manfred Gerlach. Am 7. Dezember findet
erstmals ein Treffen der Oppositionsgruppierungen der
DDR statt, es werden die ersten freien Wahlen für den 6.
Mai 1990 vorgeschlagen. Auf dem Gipfel der EG, vom 9.
Dezember wird das Recht der Deutschen auf Einheit in
einer Grundsatzerklärung der Regierungschefs anerkannt.
Am 22. Dezember findet die Wiedereröffnung des
Brandenburger Tores in Berlin statt. |