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Literatur 1921 Das literarische Jahr

Das 19. Jahrhundert war in kultureller Hinsicht ein überhaupt langes Jahrhundert, fasst man es in all seinen Tendenzen und Strömungen zusammen, so dauerte es vom Ende des 18. Jahrhunderts bis ins Jahr 1914.
Im Jahr 1914 begann der Erste Weltkrieg, der für Kunstschaffen und Kunstverständnis einen radikalen

Einschnitt darstellte. Die Jahre von 1914 bis 1918 können gleichsam als Zäsur angesehen werden, nach dem Ende des Krieges kam es zu einer Neuformulierung der Kunst, eine Suche nach neuen Ausdrucksmitteln und -formen begann.
Die Katastrophe des Ersten Weltkrieges lag vor allem darin begründet, dass es eine Schlacht mit "Menschenmaterial" war, anfängliche Euphorie und aus einer epochalen Langeweile entstandene Kriegssehnsucht mussten dem Entsetzen vor dem Grauenhaften des Krieges, vor dem Verlust so vieler Menschenleben weichen.
Die Kunst konnte nicht mehr dort ansetzen, wo sie vor den Kriegsjahren begonnen hatte, sie musste nach neuen Begriffen und Formen suchen. Die Jahre um 1920 herum waren vor allem die Jahre der Moderne, des Experimentellen, des Avantgardistischen. Gleichzeitig standen aber neben Futuristen, Expressionisten oder Dadaisten Schriftsteller wie Thomas Mann, der in den Jahren nach dem Krieg sein zuvor begonnenes Werk "Der Zauberberg" vollendete, das 1924 erscheinen sollte. Auch Mann, der kaum avantgardistischen Bestrebungen zugerechnet werden darf, der ganz dem Stil großer Romanciers des 19. Jahrhunderts verhaftet blieb, hatte im Laufe der Geschichtskatastrophe mit sich gerungen, nach neuen Denkformen und Anschauungen gesucht. Auch er begriff, dass der Krieg eine Zäsur darstellte, und er ließ seinen epochemachenden Roman enden mit dem Donnerschlag des Ersten Weltkriegs, er entließ seinen Protagonisten in die Ungewissheit des "Weltfests des Todes".
Der Realismus des 19. Jahrhunderts wurde nach und nach abgelöst von modernem Erzählen, von welthaltigen Romanen und Protagonisten, die auf der Suche nach ihrem eigenen Ich in einer immer komplexeren Welt mit ihrem Scheitern konfrontiert werden. Der Bewusstseinsstrom und der innere Monolog wurden erfunden, die Romanfiguren erfuhren sich mehr und mehr auf sich selbst zurückgeworfen, fielen aus der Ordnung des Gefüges heraus.
Gleichzeitig war das Jahr 1921 in einer seltsamen Verschränkung das Geburtsjahr zweier Dichter, die vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg zu Ansehen gelangen sollten, in diesem Jahr wurden die Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt und Ilse Aichinger geboren.  
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